Die Sonne über der Lücke
Im Kindergarten
riechen die Tische
nach Kleber, Apfelsaft
und kleinen Entscheidungen.
Heute malt jedes Kind
seine Familie.
Sie malt zuerst sich selbst.
Ein Kleid aus Rot,
zwei Beine,
die den Boden suchen.
Dann Mama.
Dann den Bruder.
Dann das Fenster.
Dann ein Haus.
Neben dem Haus
bleibt Platz.
Genug Platz
für einen Körper,
für Haare
für einen Arm,
der nicht mehr
um sie herum darf.
Sie nimmt den blauen Stift.
Legt ihn zurück.
Nimmt Gelb.
Malt eine Sonne
über die Lücke.
Sehr rund.
Sehr sorgfältig.
Mit vielen Strahlen.
Die Erzieherin sagt:
Schön, die Sonne.
Das Kind sagt nichts.
Es hat gelernt,
dass manche Menschen
nicht verschwinden,
sondern als Sonne
über einer Lücke stehen.
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