Der vorgezeichnete Pfad

Ein Gedicht von Max Vödisch
Zwischen Hobelbank und Grenzverlauf
hielt dich dein Lebensfaden auf.
Die Werkstatt roch nach Holz und Leim,
als sollte sie dein Schicksal sein.

Die Schule lag im fahlen Grau
und jeder wusste es genau:
Du brauchst kein Wissen, keinen Traum,
nur füge dich dem engen Raum.

Wer dennoch nach dem Warum gefragt,
ward bald schon leise abgesagt.
Ein Wort, so schneidend wie ein Signal:
„Dann geh doch rüber – deine Wahl.“

Der Zaun im Osten, streng bewacht,
warf seinen Schatten Tag und Nacht.
Er stand im Kopf, nicht nur im Land,
als stummer Druck, wohlbekannt.

Doch eines Tags blieb kalt der Leim,
du wolltest nicht gefügig sein.
Im Innern längst zum Aufbruch bereit,
trotz Mauer, Angst und dunkler Zeit.

Sag, wuchs in dir bereits der Mut
oder nährte dich verhaltene Glut?
Und wähltest du – trotz des Drängens –
den eig‘nen Weg, fern von den Zwängen?

Informationen zum Gedicht: Der vorgezeichnete Pfad

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11.02.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.