Der Seelenweg vom Verstand zum Herzen

Ein Gedicht von jogdragoon
Von Dir erzeugt mein Verstand ein falsches Bild,
damit er seinen Hunger stillt !
Vorwürfe, die ich auf Dich werfe.
Ich greife Dich an, in aller Schärfe
und halte hoch meinen Selbstschutzschild !

Es ist wahr:
Vieles liegt nicht an meinen Taten !
Doch ebenso ist es klar,
dass falsche Vorstellungen Nährboden sind für böse Saaten.

Mein Verstand wollte mit mir zanken !
So ging ich durch das Labyrinth meiner Gedanken,
zur Prüfung der Ursachen seiner Hetze.
Ich löste die Anker passender Glaubenssätze
und betrachtete die, die ohne Erlaubnis in mir versanken.

*

Ein Terrain ist folgendes:
Zitat: “Der längste Weg, den ein Mensch zurück legen kann, ist der vom Kopf zum Herzen”

In jungen Jahren dürfte das Ziel dieses Lebensabschnittes einem Bild entsprechen, das ich so beschreibe:
“Ich spüre den Drang in mir,
in einem Kajak durch Stromschnellen zu fahren.
Ich steige in das Kajak und spüre,
wie es sich auf dem Wasser unter mir bewegt.
Ich erwählte einen Fluss, der mich fordert,
aber nicht überfordert.
So freue ich mich auf ein spezielles Abenteuer.
Mein Herz fängt an, schneller zu schlagen
und ich werde leicht nervös.
Ich höre, wie das Wasser, von den Stromschnellen her, rauscht.
Noch befinde ich mich in einem ruhigen Abschnitt.
Nachdem ich meine Kleidung und die Verbindung zum Kajak überprüft habe,
stoße ich mich von der natürlichen Anlegestelle ab.
Um mich herum, die reine Natur in ihrer gefährlich anmutenden Schönheit.
Es ist ein kühler Frühlingstag im Mai.
Der Himmel ist von einigen Wolken bedeckt
und der Fluß bietet nur sehr wenige Stellen, wieder an Land zu kommen.
Ich erwarte die brachiale Kraft und Gewalt der Lebensflüssigkeit von Mutter Erde,
die ihren Weg durch das Felsgestein gefressen hat.
Energien, die mit normaler Körperkraft nicht bezwungen werden können.
Auf diesem lebensgefährlichen Gewässer stürze ich mich in die Absicht,
meine Ängste zu überwinden
und mit dem Mut und dem Wissen um meine Fähigkeiten,
das ungezähmte Leben voll auf mich wirken zu lassen.
Ich nähere mich den ersten sichtbaren Steinen im Wasser.
Unterwasser erahne ich Wirbel.
Verschiedene Strudel muss ich schnell erkennen
und mit meiner Erfahrung sofort in entsprechenden Aktionen korrigierend umfahren.
Ich fühle mich eins mit dem Kajak.
Es fängt an, auf und nieder zu wippen.
Ich gleiche seitwärtige Bewegungen gekonnt mit Gewichtsverlagerungen und über mein Doppelpaddel aus.
Wasser spritzt mir feucht ins angespannte Gesicht.
Es fühlt sich kühl und frisch an.
Der Lärm der stürzenden, verquirlenden Wassermassen wird immer aggressiver.
Dieses Chaos zu überwinden ist das Ziel.
Beherrscht werden kann es nicht.

Erkennen der Möglichkeiten und blitzschnell die richtigen Entscheidungen zu treffen, ist überlebenswichtig.
Ich bin noch jung und habe kaum Erfahrungen mit dem Scheitern und negativen Konsequenzen von Übermut.
Deshalb gibt es in mir auch noch keine fest verankerten Glaubensstrukturen der Angst.
So kann ich das Erlebnis voll geniessen
und als wundervolle Lebenserfahrung in mich aufnehmen.

So lasse ich mich vom Strom geleiten, führen,
um dann mit möglichst wenig Kraftaufwand, mich an allen Hindernissen vorbei, zu schlängeln.
Kein Karussell auf einem Jahrmarkt ist mit dieser Erfahrung vergleichbar.
Das ist Kleinkindergeburtstag gegenüber dem wahren Erleben, dem wahren Leben.
Das wahre Leben, spüren, in mich atmen, bis in jede Zelle meines Seins.
Ich spüre, wie ich Eins werde.
Eins, mit den Wahrnehmungen meiner Sinne, meinem Boot, meinem Körper und den Gewalten der natürlich wilden Freiheit.
Ich sehe, ich atme, ich höre, ich spüre. Welch ein Empfinden des wahren Seins ! .. und ich lächele:
<< Es ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens ! >>”

Leider werden diese Erfahrungen durch den Verstand (dem Kopf) bewertet und mit allen möglichen Einschränkungen belastet:
“Ängste, Unglücksprognosen, Normen, Gesetze, Regeln, Pflichten, Vorgaben, gesellschaftliche Standards, Dogmen, Meinungen, negative Erfahrungen anderer, übermäßiger Fokus auf das Negative,
Unterstellungen, Zukunftsängste, negative Gefühle, die mit Erlebnissen verbunden und damit negative Emotionen wurden”
Und das sind die Herausforderung für den Weg vom Kopf zum Herzen. Denn alle diese Gedanken müssen betrachtet und nach den eigenen Kriterien neu bewertet werden.
Wenn das Selbsterkennen sehr weit fortgeschritten ist, wird erkannt, das ein Großteil der belastenden Verstandesthemen durch einen selbst erzeugt wurden.

< Der Unreife Mensch sucht die Ursachen im Äußeren.
Es ist ein Selbstschutz des Verstandes und des Egos. >

< Der reife Mensch schaut zuerst in den Spiegel und fragt sich:
“Was davon entspringt meiner Einstellung (meinen Glaubenssätzen),
meiner Moral, meinen Werten, meinem Wirken
und was am Wichtigsten ist:
Wo kommen diese her und warum habe ich diese in mir verinnerlicht und verankert ?” >

*

Legte Deine Seele fest, wohin Du Dich entwickeln sollst ?
Auf diesem Weg würdest Du unbekanntes Terrain durchschreiten.
Doch weist Du nicht, was Du willst,
wird Sie unerkannt den Weg Dir bereiten,
durch Zufälle, die Dich führen, leiten.

© jogdragoon
Bibat ex me qui potest

Informationen zum Gedicht: Der Seelenweg vom Verstand zum Herzen

01.11.2026
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