Der alte Mann (Song)
Ein Gedicht von
Horst Bulla
[Strophe 1]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Was ist geblieben
von seinem Leben,
von seiner Arbeit,
seinem Fleiß?
Kein kleines Haus,
kein Geld auf seiner Bank,
kein Erbe, das er geben kann.
Kaum Zähne noch in seinem Mund,
nur einen kleinen alten Hund,
für den er seinem Staat
noch Steuern zahlen muss.
[Zwischengesang]
Träume von Wohlstand,
und ein Leben das sich lohnt,
ein kleines Glück,
in dem man wohnt.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 2]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Sein alter Boss –
Villen auf der ganzen Welt,
große Autos, große Yacht,
Privatjet, dickes Konto,
prunkvolle Feste, Tag und Nacht.
[Zwischengesang]
Er sieht die Reichen weiter wachsen,
und fragt sich still: Wer zählt die Schwachen?
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 3]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Jetzt seine Rente – winzig klein.
Geschuftet für den Reichtum
seines Bosses.
Jahrelang Steuern gezahlt,
doch Boss und Staat
sie lassen ihn in seinen Nöten
ganz allein.
[Zwischengesang]
Er gab sein Leben für die Arbeit,
für die Steuern,
doch heute trägt ihn keine Hand.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 4]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Hört Politiker reden
von Gerechtigkeit, Wohlstand
und Demokratie.
In seinem Einkaufswagen,
fast ganz leer,
liegt das Brot, die Wurst,
das Fleisch, der Käse –
so teuer wie noch nie.
[Zwischengesang]
Leere Einkaufswagen, leere Teller,
die Preise steigen immer schneller.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 5]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Die Miete frisst die Rente auf,
Heizung, Strom und Gas –
für seine Rente viel zu teuer.
Früher gab es im Ofen
noch ein kleines Feuer
und warme Suppe auf dem Tisch,
heute reicht die Rente
öfter nicht.
[Zwischengesang]
Die Kälte kriecht in seine Stube,
und jede Rechnung
wird zur harten Prüfung.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 6]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Ein Leben lang geschuftet,
und nichts ist ihm geblieben.
Der Staat hat seine Steuern
für Konzerne, Banken, fremde Staaten,
Flüchtlinge, dicke Diäten,
Staatsgehälter, Staatsprivilegien,
Waffen, fremde Kriege
und andere Dinge ausgegeben.
[Zwischengesang]
Jede Steuer, wie ein Raub,
der in fremden Taschen landet,
doch sein Leben wird nicht besser.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 7]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
An der Tafel kennt man seinen Namen,
in der Suppenküche sein Gesicht.
Doch seine Kanzler und Minister –
sie kennen weder seinen Namen
noch sein trauriges Gesicht.
[Zwischengesang]
Bundespräsident, Kanzler und Minister,
sie wollen keine Armut sehen,
nur Politik in der sie feiernd, glänzend,
über ihren roten Teppich gehen.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
[Strophe 8]
Der alte Mann,
er zählt die Münzen in der Hand.
Und er weiß: Sie reichen nicht
für ein schönes Grab,
für einen schönen Stein,
golden, gemeißelt,
sein Name voller Würde.
Die Würde
ist schon längst begraben,
so wie die Träume seines langen,
schweren Lebens in Verzicht.
Und seine Tränen tragen Trauer –
sein letztes Sein:
ein unscheinbares Armengrab
von einem Staat,
dem er sein Leben lang gedient.
[Zwischengesang]
Für Würde
gab es kein Platz in seinem Leben,
und selbst im Tode –
verwehrt der Staat, ihm seine Würde.
[Refrain]
Er zählt die Münzen in der Hand,
sein Leben rinnt wie feiner Sand.
Ein stiller Mann, den keiner sieht,
doch seine Wahrheit bleibt ein Lied.
Ein leises Lied, das weiterzieht.
© Horst Bulla
https://youtu.be/EGetuE_juQ0
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