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Gedichte über Tiere - Seite 248




Katzenschläue

Wenn das Wetter draußen ekelt,
der Mensch sich hinterm Ofen räkelt,
dann ist Zeit zum Überdenken,
Gedanken an Vergangenes zu lenken.

Sommerurlaub unter dichten Buchen,
keiner musste sonst die Sonne suchen,
nur die Pilze waren rar,
weil es viel zu trocken war.

Doch dann hieß es sich bewegen,
denn drei Tage lang fiel Regen.
Ich war schlau und ich war alt,
drum war ich allein im Wald.

Die Pilze, diese langersehnten,
sich dort meist im Kreis ausdehnten.
Schon von weitem sah ich die Massen,
und schien den Rückweg zu verpassen.

Die Suche bald ein Ende fand,
der Korb war voll bis übern Rand.
Das war sicher wunderbar,
doch wusste ich nicht mehr, wo ich war.

Die Buchen waren hoch und dicht,
man sah vor Wald die Sonne nicht.
Wo ist Süden und wo Westen?
Woher kommt das Licht am besten?

Hätte ich die Katze mitgenommen,
wäre ich längst nach Hause gekommen.
Denn die kleinen Stubentiger
sind die wirklichen Orientierungssieger.

Dort wo die Katze ständig lebt,
sie auch nach Orientierung strebt.
Sie prägt sich so zu Hause fein
Sicht-, Geruchs- und Lautbilder ein.

Der Mensch sagt voreilig und dumm:
„Die Katze stromert herum.“
Dabei verzeichnet sie in ihrem Gehirn
Jeden Pflasterstein und jedes Gestirn.

Der Mensch nutzt gern schlaue Sprüche,
die Katze liebt wiederkehrende Gerüche.
Bekanntes stets ihr Leben bereichert
und Neues wird exakt gespeichert.

Genauso ist es mit den Geräuschen,
die Katze lässt sich nicht täuschen.
Sie kennt den Gut-Böse Unterschied,
drum schläft manche sogar beim Schmied.

Ich traf im Wald zwar keine Tatze,
doch ich nutzte die Navigation der Katze.
Augen schließen, Ohren drehen,
horchen, woher Geräusche wehen.

Und siehe da, was sonst im Urlaub störte,
ich aus der Ferne eine Säge hörte.
Das Geräusch war wunderbar,
jetzt wusste ich endlich, wo ich war.

Ich lief langsam meine Schritte lenkend
und immer an die Katze denkend.
Da ich bisher niemand davon berichtet,
sei froh, dass ich es für dich gedichtet.

17.12.2015 © W.R.Guthmann
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Der Wolf

Ein Wolf auf großer Wanderschaft
entkam der Jagd mit letzter Kraft.
Sie hatten auf ihn schon angelegt,
da hat ein Jagdhorn sie bewegt.
Sie drehten ihm den Rücken zu,
als sagten sie: „Geh nur in Ruh!“

Die Sonne schien am Tage sehr,
er lief ihr trotzdem hinterher.
Meist immer ganz gerade nur,
wie auf einer gespannten Schnur,
fand er den Weg am Besten
und lief so genau nach Westen.

Ein Elch drohte ihm beim Trinken
er würde mit der Schaufel winken.
Doch ein Fuchs musste dran glauben,
der wollte zu den hohen Trauben.
Und ein Igel wurde aufgerollt,
der zu sicher herum getollt.

Reh und Hirsche waren seine Opfer,
Schafe, Ziegen und der Feldrainklopfer.
Ein großer Teich mit vielen Fischen
kam günstig auf dem Weg dazwischen.
Hühner, Gänse, Entengefieder
metzelte er scharenweise nieder.

Der Wolf suchte vergebens eine Frau,
er roch nicht einmal einen Bau.
Woher sollte er auch wissen,
200 Jahre tat ihn keiner vermissen.
Er war der Erste, stark und jung,
und weckte nun Erinnerung.

Viele mussten Bücher lesen,
was er für ein Raubtier gewesen.
Flüsse, Ströme und breite Bäche
waren seine größte Schwäche.
Bisher fand er zu seinem Glücke
immer irgendwo eine Brücke.

Doch stets der Sonne hinterher
kam er bald ans große Meer.
Von Hunger und Durst getrieben,
wäre er gern hier geblieben.
Er konnte Schafe und Kräuter walzen,
aber das notwendige Wasser war gesalzen.

Als verschwand das raue Meer,

lief er der Sonne hinterher.
Im feuchten Gras sprang er heiter,
lief Wattwürmer ziehend, immer weiter.
Sein Spürsinn hat ihn schwer getrogen,
denn die Flut kam schnell gezogen.

Erst konnte er im Watt noch trimmen,
aber schon bald musste er schwimmen.
Doch das nahe Ufer ihn trog,
denn ihn schaffte der starke Sog.
So fand die Wolf Weltreise Tour
ein sehr feuchtes Ende nur.

Am nächsten Morgen die Schafe stürzten,
die auf dem Deich die Kräuter kürzten.
Ein totes Tier lag auf dem Strand,
das kein Schaf und kein Friese gekannt.
Sie schickten es in ein Institut,
dort steht der Wolf nun brav und gut.

07.12.2016 © W.R.Guthmann
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