Der Stahl ist kalt, die Fahne neu gefärbt,
doch unter jedem Tuch das alte Leid.
Was Väter mühsam uns als Fluch vererbt,
kehrt wieder heim in neu bemalter Zeit.
Die Grenze zieht den Graben durch das Land,
Gehorsam wird als Tugend neu benannt.
Wer auf den Nächsten zeigt und ihn verdammt,
hat nicht das Wort erkannt, das über allem stand.
In tausend Sprachen wurde es geschrieben,
in Marmor, Pergament und in den Sand:
Wir sollten doch den Nächsten wie uns lieben —
das älteste Gesetz in jedem Land.
Du sollst nicht töten — leiser Klang der Stille,
kein Herrscher steht dem Schöpfervorgang gleich.
Kein Banner, keine Macht, kein heiliger Wille
rechtfertigt Blut für ein vergängliches Reich.
Kein Thron steht fest, wenn keine Hand ihn hält,
kein Marsch beginnt, wenn jeder stehen bleibt.
Es ist die eine Tat, die nicht nur heute zählt,
dass keiner über eines Menschen Leben schreibt.
Leg ab das Gewehr, das auf den Nächsten zielt,
hör auf die Stimme, die im Innern wacht.
Denn wer mit fremdem Leben grausam spielt,
hat seine eigene Seele umgebracht.
Denn jeder Herrscher ist am Ende allein,
wenn niemand sich auf den Schlachtfeldern bekriegt.
Es könnte heute schon der Frieden sein,
wenn Menschlichkeit den Hass im Keim besiegt.