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Gedichte über Lust - Seite 21


Sekundenkleber

Wie zwei gegenpolige Magneten
ziehen wir uns gegenseitig an.
Dem Augenanblick sind wir erlegen,
durch und durch Erregungsalarm.

Hormonausschüttung ist die Folge,
befangenes Lächeln lockt heran.
Umnebelt von stimulierender Wolke,
gestarteter Sofortausziehvorgang.

Zwei passende Komponenten
berühren reagierende Hautflächen.
Fingerspitzen beider Handenden
in Sekundenschnelle sich verflechten.

Jeder Kontakt eine Gefühlsexplosion,
jedes Weitergleiten erigierter Schauer.
Gespürte gewollte Kettenreaktion,
willig einstürzende Feuerschutzmauer.

Unablöslich streifen klebrige Hände
im Schweißfilm über Hügel und Täler.
Ertasten alles im unebenen Gelände,
weich und hart, Atem wird schneller.

Zwei anhaftende Körper sind soweit,
die Temperatur ist längst Taktgeber,
vollends aufgeheitzt, ist Einsatzzeit
für den heißersehnten Zungenkleber.

Benetzt wird damit was sich bewegt,
was den Speichelfluss anstachelt,
was den Leckmuskel weiter anregt,
wo er garantiert extra lange fackelt.

Gefährlich wird dieser Heißkleber
trifft er auf das gegenübere Pendant.
Inhärent und immanent zwei Streber,
verknoten sich im Separeekonkon.

Was sie darin innigst vollziehen,
überträgt sich unbewusst nach außen.
Arme und Beine vielseitig sich begieren,
chaotisch sie sich austauschen.

Das Gemenge der Klebsubstanzen,
durchtränkt vom Hormoncocktailmix,
zündet erogene Synapsextravaganzen,
entzückt vielerorts zu Emotionsticks.

Das ausglühende Schmelzklebeprodukt
verbleibt gelöst in ihrer Glücksschmiere.
Abklingend es sporadisch leise nachzuckt,
Nachstreicheln verzögert ein Frieren.

© meteor 2025
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Heiße Schauer

Was dem Körper wirklich nützt,
Breitensport ihn hegt und pflegt.
Wer viel im Alltag meist nur sitzt,
den Kreislauf selten mitbewegt.

Vielseitig ist das Fitnessangebot,
Laufen, Radfahrn, Rudern, Gehen.
Schon paar Minuten tun ganz gut,
danach ko in der Dusche stehen.

Heißes Wasser strömt über
meinen verschwitzten Leib.
Nasses perlt von oben drüber,
wo Dampf aus den Düsen treibt.

Lehne meinen Kopf zurück,
ein Geysir spritzt in mein Gesicht.
Erhöhe auf Wasserfall den Druck,
ein Wasserstrahl mich erwischt.

Welch wohltuende Dampfmassage
geht heiß und fest über meine Haut.
Dreh mich stöhnend in die Drainage,
genieße ausgiebig und das laut.

Ein Stromstoß nach dem anderen
durchfließt den Faradayschen Käfig.
Schauer kribbelnd Haut abwandern,
schließ' die Augen, entrücke schläfrig.

Lavawasser bringt mich zum Kochen,
Rauch statt Hauch keucht aus mir aus.
Reibe die rote Haut auf den Knochen,
jede Faser in mir pulsiert Applaus.

Kurz bevor ich überall ansenge,
stoppe ich den Lavaflusszustrom.
In der Kabine, dichtes Dampfgedränge,
glimmt gut durchbluteter Rotton.

Hände streifen Spuren aus der Haut,
weich und empfindlich alles auf ihr.
Der Nebeldunst sich schnell abbaut,
verflüchtigt sich vor die Kabinentür.

Schnell beschlägt der Waschspiegel,
die Raumluft fühlt sich arktisch an.
Das Handtuch peelt mich wie zig Igel,
wechselhart, nicht wirklich Softlan.

Allmählich akklimatisiert mein Leib,
mein Teint gleicht sich wieder an.
Hüpfe ganz erfrischt zu Allem bereit
aus dem Bad ... zum Restprogramm.

© meteor 2025
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