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Gedichte über Lust - Seite 15


Hals über Kopf

Du bist gegangen,
wie eine flüchtige Sünde,
die Laken vorhanden,
doch immer noch zerzaust,
nicht vom Schlaf,
sondern davon allein,
wie dein Körper sich krümmte,
als ich dir Dinge flüsterte leise,
die dich dazu brachten,
mir auf die Lippen zu beißen ,
nur um still zu sein,
weil sie Obszönes sagten.

Dieses Bett erinnert sich
an unsere letzten Stunden,
an deine glatte Haut,
mal oben, mal unten...
an das Keuchen,
das ich zu verbergen
versuchte,
an die Art, wie ich danach
ungläubig diesen Rausch
verfluchte,
an all das Verruchte
in dieser Nacht,
immer noch zeugt
Schweiß vom Spaß,
das Kissen immer noch
nass.

Du dachtest, du wärst
ungeschoren davongekommen
doch komm zurück,
atme ein...was dich verzückt,
mein Geruch haftet immer noch
in deinen Gedanken benommen...
immer noch heiß...
immer noch durchnässt...
wartest immer noch darauf,
dass meine Finger
dich wieder so verformen...

Du und ich
und eine Spur von Verführung ...
noch warm
von der Berührung ...
laut gehauchte Worte,
pulsieren in fiebrigen Adern,
wie Brandbeschleuniger
der erotischen Sorte,
forsieren sie das Feuer,
was in uns ist am Wabern...

Unsere Sprenkleranlagen
durch Feuermelder ausgelöst,
aus Schweißdrüsen sich
salziges Löschwasser ergießt...
Adrenalin will die Erregung
ins Unermeßliche hochjagen,
verborgenes Verlangen
entblößt...
pure Leidenschaft fließt...

Die Flammen in uns
greifen auf alles um uns über,
im Zentrum der Wunsch,
ewig so zu brennen...
die Sauerstoffzufuhr
hängt am Dopamintropf,
mit dem letzten
Infusionsbeutel versengen wir,
verglühen
Hals über Kopf ...

© meteor 2025
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Sekundenkleber

Wie zwei gegenpolige Magneten
ziehen wir uns gegenseitig an.
Dem Augenanblick sind wir erlegen,
durch und durch Erregungsalarm.

Hormonausschüttung ist die Folge,
befangenes Lächeln lockt heran.
Umnebelt von stimulierender Wolke,
gestarteter Sofortausziehvorgang.

Zwei passende Komponenten
berühren reagierende Hautflächen.
Fingerspitzen beider Handenden
in Sekundenschnelle sich verflechten.

Jeder Kontakt eine Gefühlsexplosion,
jedes Weitergleiten erigierter Schauer.
Gespürte gewollte Kettenreaktion,
willig einstürzende Feuerschutzmauer.

Unablöslich streifen klebrige Hände
im Schweißfilm über Hügel und Täler.
Ertasten alles im unebenen Gelände,
weich und hart, Atem wird schneller.

Zwei anhaftende Körper sind soweit,
die Temperatur ist längst Taktgeber,
vollends aufgeheitzt, ist Einsatzzeit
für den heißersehnten Zungenkleber.

Benetzt wird damit was sich bewegt,
was den Speichelfluss anstachelt,
was den Leckmuskel weiter anregt,
wo er garantiert extra lange fackelt.

Gefährlich wird dieser Heißkleber
trifft er auf das gegenübere Pendant.
Inhärent und immanent zwei Streber,
verknoten sich im Separeekonkon.

Was sie darin innigst vollziehen,
überträgt sich unbewusst nach außen.
Arme und Beine vielseitig sich begieren,
chaotisch sie sich austauschen.

Das Gemenge der Klebsubstanzen,
durchtränkt vom Hormoncocktailmix,
zündet erogene Synapsextravaganzen,
entzückt vielerorts zu Emotionsticks.

Das ausglühende Schmelzklebeprodukt
verbleibt gelöst in ihrer Glücksschmiere.
Abklingend es sporadisch leise nachzuckt,
Nachstreicheln verzögert ein Frieren.

© meteor 2025
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