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Gedichte über Liebe - Seite 74


AURORA - ERBIN DER STERNE

Die nächtliche Stunde hat ihren Schleier ausgespannt.
Unser Gott-Designer malt das Gewölbe schwarz
und beschmückt es mit Sternen, den glitzernden Diamanten.
Dazwischen setzt Er silberne Mondscheibe.
Wie herrlich vollzieht sich das Naturwandeln,
lässt sich kaum in Worte und Sätze fassen.
Jede Schilderung, jede simple Beschreibung
wird im Angesicht jenes Wunders, verblassen.

Eine helle, weibliche Gestalt in ein hauchdünnes Gewand gehüllt,
schlendert geräuschlos durch den heiligen Wald.
Ihr langes, seidiges Haar schwebt im Winde.
Ihr Kleid duftet nach Flieder, und des Ahorn Rinde.
Aus ihrem Herzen erwächst eine zarte Rose,
eine Rose die geprägt ist von der Trauer und von dem Frohsinn.
Ihr Gesang und ihr Atem vibrieren in Luft.
Sie erklingen als Melodie der Bäche und Flüsse.
Ihr Gang ist leicht und schwungvoll zugleich,
kaum berührt sie den Erdboden mit den Füssen.

Wer ist das Weib mit dem weichen Gesicht,
der weißen Lichtkrone und den Augen wie ein Amethyst?
Ist sie ein menschliches Wesen aus Fleisch und Blut?
Ein Gemälde? Ein Mosaik in Farbenglut?
Oder ein Geist aus dem stillen Friedhof und einer Gruft?
Ist sie ein weibliches Zauberwesen
mit dem Schwan und die Fee Namens Leda?
Oder eine Gottheit aus dem hinduistischen Weda?

Aus ihren Armen strahlt der Weisheit Licht.
Dieses verleiht sie den Menschen und der Erde,
weil sie unsere Hirtin ist und wir ihre Herde.
Ihre kleinen Füße gleiten sanft über dem Gras,
sie beugt sich und sammelt frische Blumen mit Fleiß.
Die Blätter baumeln auf ihren Zweigen und flüstern vertraut mit ihr.
Einen prachtvollen Blumenkranz flechten ihre zarten Hände,
bald wird sie die Mutter Erde küssen und ihre Arbeit vollenden.
Sie wirft ihr Blumen – Werk in die nahe liegende Wasserquelle,
eine heilende Wasserquelle, die sich aus einem Fels ergießt.
Sie ist wie sanfte Musik, die dein Ohr langsam hineinfließt.

Wie kommt sie hierher, was hat sie vermisst?
Es ist rotes und blaues Blut, welches durch ihre Adern fließt.
Sucht sie nach der Seele eines holden, tapferen Helden,
in den Parkanlagen, Friedhöfen und Wäldern?
Sucht sie einen ehrenhaften, noblen Prinz?
Oder vielleicht einen charismatischen Vagabunden?
Bald wird sie ihren Geliebten, und ihr wahres Heim finden.
Dies wird ihren Sehnsucht-Schmerz nach Heimat lindern.
Bald wird sie sich mit ihm in einer sternenklaren Nacht vermählen.
Dies ist in den Sternen geschrieben, dies wird bald geschehen.

Von den Sternen kam sie,
dem Samen der Erde und des Universum entstammt sie.
Jetzt ist sie in ihrer weiblichen Gestalt erschienen,
hat ihre Hand zum Himmel gerichtet und auf einen Stern gedeutet…
Gibt es jemanden, der sie schon mal sah,
zur Morgenstunde aus dem Tau, Nebel und Wind emporsteigend,
und sich dann beim Baumpflanzen verneigend?
Wer sie in sein Herz und seine Seele schließt,
wer ihre Erscheinung und ihr Gesang immer wieder vermisst,
der wird ein dauerhaftes Glück, große Liebe finden und Seelenverwandte,
sowohl in den Städten als auch auf dem Lande.

Ihr Symbol - eine Silbermünze, auf welcher graviert ist eine junge Frau,
die Frau, die einen Baum in die Erde pflanzt...
Und das Ganze, auf einem Stück der Ahornrinde.
Ein winziger Funke ihres Wesens wohnt inne,
in jeder Mutter, jeder Geliebten, jeder Jungfrau, jedem Kinde.
Die Neuigkeit, dass es sie gibt, wird getragen durch Winde.
Ich möchte sie als eine sinnliche oder außersinnliche Vision erleben.
Einmal und dann immer wieder,
mit ihr durch den Wald, Park oder Friedhof spazieren gehen;
Mich mit ihr, wie mit einer Schwester zu den Wolken emporheben
und sie in ihrem vollen Glanze erleben!

Ich erschuf einen Mythos, einen Engel Namens Aurora,
nach dem Bilde einer jungen, frommen Frau,
einer Frau, die einen Baum in die Erde pflanzte.
Sie bringt mit sich einen unendlichen Frieden und eine neue Chance.
Sie wird in Vergessenheit bringen, was damals geschah,
als das Kreuz vier Hacken bekam, und eine Waffe war.

© AGNES VON ANGELIS
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Dein Liebesbrief

Deinen Brief auf richtigen Papier mit Tinte geschrieben,
fest an mich pressend, nur ihn statt Deiner ich drück,
wie wohl hat dein Herz sich an meinem doch gerieben,
streichelnd fließende Liebesworte gepaart mit Glück.

Sicher glitten deine Finger, die Feder mit Sehnsucht führend,
kosend über das Papier, jede Stelle zartbedacht berührend.
Sinnlich sanft sind sie endlich wohlbehalten bei mir gestrandet,
fühl sie von Dir so vertraut für mich nun auf mir gelandet.

Erahne zärtelnd Deine schlafenden weichen süß-roten Lippen,
mein Bart kitzelt Dich im Traum umgarnend im Nacken sacht.
Ein Lachen perlt Dir aus Deiner ausatmenden Kehle mitten,
wiedermal habe ich Dich für mich neckend wach gemacht.

Wie begehrend sinnlich schlägt doch das Herze mir,
denn was ich in Händen halte ist mehr als nur ein Brief.
Was in blauer Tinte darauf geschrieben steht von Dir,
von letzter Nacht stammt, als im Traume ich mit Dir schlief.

Zauberklänge dieses süßen Traumes hallten durch die Nacht,
Auf eine warme Liebesinsel hatte das Schicksal uns gebracht.
Ewiger Wind im Atlaskleide streichte mit sanfter Atemluft
kühlend über unsre Leiber, knospend würzig wehte sein Duft.

Zärtliche Wellen rollen leise, Du hast sie aufs Papier gelegt,
ertaste sie mir wogenweise, treibe mit ihnen übers Meer,
jage Deinen Tintentropfen auf kleinen Booten hinterher,
nun branden sie an meinen Körper, all meine Sinne sind erregt.

Perlenlicht umhüllte uns beide, warmer Schein der Inselnacht.
Rosendüfte sacht liebkosend zärtelnd weiche Sinnenpracht.
Auf der Insel unserer Liebe trug uns Magie durch die Zeit.
Herz an Herz seelenverbunden, zwei Liebende in Ewigkeit.

Mit Sehnsuchtsblick nehm ich Deinen Brief mit mir in mein Bett,
lege Deine Herzensbotschaft dicht neben meinen Kopf aufs Kissen.
Rieche deinen Duft auf ihm, hautnah an meine Brust ihn versteck,
mit meinem Herz verschmelzend, gedankenwarm am Dich vermissen.

© meteor 2024
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