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Gedichte über Kindergedichte - Seite 101


Grauer Urwaldelefant (Kindergedicht)

Grauer Urwaldelefant

Grauer Urwaldelefant
mit der langen Rüsselhand,
machst Musik, wie's dir gefällt,
läufst trompetend durch die Welt.

Hast zwei Zähne im Gesicht,
bist ein echtes Schwergewicht.
Wedelst mit dem Ohrenpaar,
Lieblingshappen sind oft rar.

Bist ein Herdentier und schlau,
kennst die Pfade ganz genau.
Nimmst ein Bad im Fluss, dem Nil,
fürchtest nicht das Krokodil.

Meistens friedlich, gut gelaunt,
und so kräftig, dass man staunt,
trotzt du der Gefahr mit Mut,
wild und frei steht dir so gut.

Einem Riesen so wie du,
schaut man gerne liebend zu.
Manches Kind hat dich daheim,
als ein Stofftier, kuschelnd klein.
Täterätä, Täterätä!

*Eigenanalyse: Entscheidung für läuft statt ziehst.

Das Duell: Inhaltliche Eleganz gegen rhythmische Präzision
Bei der Bewertung einer Gedichtzeile stehen sich oft zwei Ebenen gegenüber: die Semantik (Bedeutung und Bildhaftigkeit) und die Metrik (Rhythmus und Klangfluss).
„Ziehst“ transportiert das schönere Bild, holpert aber im Ohr. „Läufst“ fließt perfekt ins Ohr, bricht aber das Bild des schweren Elefanten.
*********
• Wähle „läufst“, wenn das Gedicht ein fröhliches, schnelles Kinderlied sein soll, das man leicht und ohne Holpern aufsagen kann.
• Wähle „ziehst“, wenn dir das majestätische Bild des Elefanten wichtiger ist als der absolut makellose Takt.

Für ein Kindergedicht zum Vorlesen für Kleinkinder treffe ich eine klare Entscheidung: Nimm das Wort „läufst“!
Bei Kleinkindern schlägt der Rhythmus die Bildsprache um Längen.
Hier sind die entscheidenden Gründe für diese Wahl im Überblick:
• Der Mitmach-Effekt: Kleinkinder hören Gedichte nicht nur, sie fühlen sie. Der hüpfende Takt (Trochäus) lädt zum Klatschen, Wippen oder Mitlaufen ein. „Läufst“ hält diesen spielerischen Schwung aufrecht. Bei „ziehst“ bremst der Rhythmus ab, das Kind verliert den körperlichen Takt.
• Leichtes Vorlesen: Wenn du das Gedicht laut vorträgst, musst du bei „läufst“ nicht künstlich betonen oder stolpern. Es geht flüssig über die Lippen, was für den Zuhörer viel harmonischer klingt.
• Verständlichkeit: Kleinkinder verbinden mit „laufen“ eine klare, aktive Bewegung. Das abstrakte „ziehen“ (im Sinne von Wandern) ist für Dreijährige oft noch gar kein Begriff – sie denken dabei eher an ein Spielzeugauto, das man an einer Schnur zieht.

Fazit für dein Kleinkind-Gedicht:
... machst Musik, wie's dir gefällt,
läufst trompetend durch die Welt.
Das reißt die Kleinen mit, klingt fröhlich und geht sofort ins Ohr!

Fertig!
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