Das gepflegte Hamsterrad
Mit sechzig Jahren steht man stramm,
im Kopf nur Arbeit, Geld und Plan.
Obwohl der Speicher längst schon voll,
behauptet man: „Es geht mir toll!“
Der Garten glänzt, kein Halm ist schief,
doch in der Seele sitzt es tief.
Wenn Nachbarn Schnee zur Seite schieben,
musst du auch raus, dich selbst aufreiben.
Was könnten jene von dir denken,
wenn wir uns nicht die Ordnung schenken?
Das Haar schön kurz, das Hemd korrekt,
damit man bloß nicht angeeckt.
Man schaut aufs Äußere, auf den Schein,
doch wer will wirklich Mensch noch sein?
Vom Chef lässt man sich gern belügen,
lässt sich mit sechzig noch betrügen.
Und wenn der Nachbar Neues zeigt,
man vor dem Neid den Rücken beugt.
Das letzte Geld fürs neue Handy,
man lebt nicht echt, man lebt nur „trendy“.
Man kauft sich Dinge, braucht sie nicht,
verliert das Lächeln im Gesicht.
Man jagt dem Glanz der anderen nach,
und liegt doch nachts im Innern wach.
Wann ist es Zeit, mal aufzuhören?
Sich nicht an Nachbars Blick zu stören?
Das Alter wär’ zum Leben da,
nicht für die Show – ganz fern und nah