Zwischen Staub und Schatten
Ein Gedicht von
Robert Späth
Ich gehe durch Räume,
die längst andere Namen tragen,
und sehe Gesichter,
die sich in Staub verwandelt haben.
Jeder Schritt hallt zurück
in Stunden,
die nie enden wollten,
und doch verweilen sie nur in mir.
Die Zeit streicht vorbei
wie ein müdes Pferd,
und ich steige nicht auf.
Ich bleibe stehen,
halte mich fest
an Schatten, die noch atmen,
obwohl sie längst gegangen sind.
Meine Hände greifen
nach gestern,
als könnten sie es wieder zusammenfügen.
Doch alles, was ich finde,
sind die leeren Ecken,
wo Lachen, Worte, Augenblicke
einmal lagen
und nun nur noch glimmen.
Die Gegenwart kommt leise,
versucht mich zu berühren.
Ich spüre sie,
aber sie riecht nach fremdem Wasser.
Ich schmecke nur Erinnerung,
jede Mahlzeit, jeder Atemzug
vermischt sich mit dem,
was schon war,
und nichts kann daraus wachsen.
Und nachts, wenn ich wachliege,
sammeln sich die Geister der Vergangenheit
wie Blätter in Windfängen.
Sie reden nicht.
Sie zeigen nur Bilder,
die ich nicht vergessen kann,
und flüstern:
Du bist hier, aber nicht dort.
So lebe ich,
zwischen gestern und gestern,
ein Herz, das noch schlägt,
aber nur im Echo
einer Welt,
die schon vergangen ist.
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