Zwei Stunden älter

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Nach der letzten Vorstellung
sitzt er vor dem Spiegel.

Mit dem feuchten Tuch
nimmt er zuerst den Mund ab,
dann die Furchen,
die zwei Stunden
älter sind als er.

Das Kostüm
gleitet von den Schultern.
Am Bügel
steht es aufrechter
als zuvor.

In seiner Stimme –
noch der letzte Satz –
eine vergessene Nadel
im Saum.

Jenseits der Wand
klappen die Sitze
einer nach dem anderen
in sich zurück.

Als er geht,
bewahrt der Sessel
eine Mulde,
in der etwas von ihm
zurückbleibt,
das nie
auf der Bühne war.

Informationen zum Gedicht: Zwei Stunden älter

3 mal gelesen
(Eine Person hat das Gedicht bewertet. Der Durchschnitt beträgt 1,0 von 5 Sternen)
-
30.07.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Chandrika Wolkenstein) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.