Zwei Seelen, ein Schicksal im Alter

Ein Gedicht von Lisa Nicolis
Zwei Seelen, ein Schicksal

Der Wind hat nur leicht noch im Ahorn geblättert und trägt dann das Rauschen zum Fenster herein.
Im Hof, ganz allein, sitzt du still auf der Bank, wie von allen vergessen.
Der Weißdorn in diesem Jahr ist verblüht, die Blüten schwirr'n wirr durch die Luft, setzen müde sich dir nun ins eisgraue Haar. Im Hof ringsherum -Fliederduft.
Früher, als alles noch anders war, hatten wir zwei kein gleiches Geschick. Jetzt sitzt, immerzu ohne Sang und Klang, im Zimmer bei mir, das Elend bereit, wie bei dir auf der hellblauen Bank.
Und ein Pfingstfest ist überall heut.
Doch ich träume dahin, wie ein bockiges Kind, von dem Leben, das einst mich voll Stimmen erftreut' , während dir heut der Wind dein Erinnern, ganz lind, in die Streublumenwiese streut.

Lisa Nicolis

Informationen zum Gedicht: Zwei Seelen, ein Schicksal im Alter

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24.05.2026
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