„Wie groß ist die Unendlichkeit ?“ .. Tina’s Genesis Teil 1

Ein Gedicht von jogdragoon
*

Seelenlicht aus kosmischem Herz
leuchtet und wirkt himmelwärts
Wessen Mission
erschafft den Spielplatz der Illusíon ?
Freud und Leid ein Traum,
im Zeit und Weltenraum,
wo das Leben überschäumt ?
Wer träumt ?

*

Es war ein warmer Frühlingstag und Tina Eipas Hund hüpfte freudig vor dem Haus hin und her.
Auch ihm war der lange Winter auf’s Gemüt geschlagen
und nun sammelte er Energie an diesem ersten schönen Sonnentag des Jahres.
Tina erledigte noch die restlichen Hausarbeiten und wollte draußen ein Bild,
von ihrem Haus mit Hund und dem angrenzenden Wald, malen.
Dafür hatte sie zuvor schon ein paar Schnappschüsse ausgedruckt
und sich das beste Bild als Vorlage ausgewählt.
Die Leinwand stand schon bereit, doch leider waren einige Farben aufgebraucht.
Sie entschloss sich, in das Dorf am Fusse des Berges zu gehen und ihren Farbvorrat aufzufüllen.
Auch der Hund freute sich auf den Ausflug und lief schon etwas voraus, um dann Halt zu machen
und am Wegesrand zu schnüffeln.

Als sie im Dorf angekommen waren, besorgte sich Tina die fehlenden Farben, doch bevor sie wieder den Aufstieg anging, setzte sie sich,
wie so oft, auf eine Bank und schaute dem regen Treiben der Leute zu.
Ihr Hund kannte diese, zur Routine gewordene, Ruhezeit, setzte sich neben Tina
und erwartete seine Streicheleinheiten.
Tina legte ihre Hand zärtlich auf seinen Kopf und fing an, schon teils unterbewusst, ihn zärtlich zu streicheln.
Zwei Jugendliche sahen sie und gingen auf sie zu.
Tina kannte sie. Es waren Esselia und Ron. Beide waren 15 Jahre jung
und hatten heute wohl früher Schulschluss.
Esselia setzte sich auf die andere Seite von der Bank neben den Hund und fing auch an, ihn zu streicheln.
Tina nahm ihre eigene Hand langsam weg und erfreute sich daran,
wie der Hund spielerisch das Mädchen ermutigte, weiter zu machen.
Ron kam näher, beide Hände in den Hosentaschen, sah Tina an und fragte:
„Du bist doch die vom Berg, die so viel wissen soll ?“
Tina antwortete: „Ja, die bin ich. Ich heisse Tina und Du bist Ron, der Sohn von Sonja und Klaus Argon,
zwei wunderbaren Eltern.“
Sie erkannte, dass ihm eine Frage auf den Lippen lag und sagte:
„Wenn Du mich etwas fragen willst, dann nur zu. Ich werde mich bemühen,
sie Dir verständlich zu beantworten.“
Ron traute sich: „Wir hatten schon unseren Lehrer gefragt, wie denn alles entstanden ist. Er hat uns auch vieles erzählt, doch irgendwie können wir das nicht glauben.“
Tina überlegte kurz: „Was glaubst Du denn nicht von dem, was der Lehrer Euch erzählt hat ?“
Gina wandte sich Tina zu und antwortete anstelle von Ron: „Der Lehrer sagte, dass es am Anfang einen Urknall gab, der alle Materie in das Universum hinausgeschleudert hat.
Dann hat sich alles zufällig über ganz lange Zeit so verteilt, dass daraus Alles entstanden ist.
Wir glauben, dass das nicht sein kann, denn gerade noch letzte Woche hat derselbe Lehrer gesagt:
Von Nichts kommt Nichts !
Wo soll denn der Urknall hergekommen sein, wenn vorher Nichts war ?
Andererseits leben wir ja auch und wenn Nichts von nichts kommt, dann dürften wir gar nicht sein !?“
Tina lächelte: „Das habt ihr sehr gut erkannt und wenn ihr das die Erwachsenen fragt, dann denken die sich etwas aus, um Euch zu erklären, warum doch Etwas aus dem Nichts entstanden ist.
Tatsache ist jedoch, dass ihr Recht habt: Von Nichts kommt nichts und der Urknall war nicht der Anfang.“
Esselia schaute Ron irritiert an.
Tina lies ihre Aussage wirken und fuhr dann fort:
„Ich bin ein Urchrist und Urchristen haben eine andere Erklärung für das alles.
Am Anfang war …
.. die Unendlichkeit und sie war immer, sie ist und sie wird immer sein.
Das grobe Verständnis der Unendlichkeit ist das Erkennen des Beginns des Seins, wie wir es erfahren.
Wenn ihr das nicht versteht, dann sagt es ruhig.“
Ron fragte: „Die Unendlichkeit ist ohne Ende, das Universum jedoch schon, so sagt man ..
.. Wie groß ist die Unendlichkeit ?“
Tina grinste schelmisch: „Das zu begreifen ist sehr schwer und das Problem ist dabei nicht die Unendlichkeit, sondern der Verstand.
Auch wenn viele es nicht hören wollen, der Verstand ist in seiner Wahrnehmung und im Denken beschränkt.
Da er bei vielen selbst arrogant überheblich ist und von sich selbst behauptet, der Geist des Menschen zu sein,
der den Menschen ausmacht, behindert er die wahren Erkenntnisse.
Für Euch ist das schon recht viel. Ich will damit sagen: Der Verstand kann nicht die Unendlichkeit verstehen !“.
Esselia sagte zu Ron: „Ich glaube ich weiss, was sie meint. Wir können nicht lernen, was die Unendlichkeit ist, weil unser Kopf das nicht denken kann.
Ist das richtig, Tina ?“
Tina sagte: „Richtig ! .. Der Mensch ist viel mehr als nur sein Verstand.
Der Verstand baut Gerüste um die Realität, damit er sie so einigermaßen verstehen kann.
Die Mathematik ist zum Beispiel ein Werkzeug des Verstandes, das ein Gerüst um die Realität baut.
Die Realität ist etwas anderes als die Mathematik. Sie dient nur dem Verstand,
das Gerüst um die Realität zu verstehen und damit zu glauben, er verstehe sie.“
Sie ließ Ron und Esselia Zeit, das Gesagte wirken zu lassen und wartete auf eine Reaktion.
Es war schwer für sie zu erkennen, ob sie die beiden Jugendlichen überfordert hatte
oder ob sie das sogar leichter verstehen konnten, als Erwachsene,
die sich mit allen möglichen Glaubenssätzen den Weg zu Erkenntnissen verbarrikadiert hatten.
Dann fuhr sie fort und fragte: „Wollt ihr darüber reden oder soll ich weiter machen ?“
Die beiden Jugendlichen unterhielten sich eine Weile miteinander. Tina schaute ihnen dabei zu
und kraulte wieder das Ohr ihres Hundes.
Ron drehte sich zu Tina und sagte: „Das ist zwar alles eine ganz neue Sichtweise für uns, doch wir glauben, dass wir das so alles einigermaßen verstanden haben.
Einfach gesagt, sagst Du ja, dass der Mensch die Unendlichkeit nicht verstehen kann, er sie aber verstehen will und so tut als würde er es.
Dabei betrügt er sich selbst und meint, dass Hilfsmittel, wie die Mathematik, die Realität seien.
Du kannst gerne weitererzählen. Wir hören Dir zu.“
Tina freute sich, dass es jemanden gab, der sich tatsächlich auch mal für eines ihrer Themen interessierte und nicht nur für Alltägliches.
So sagte sie: „Zusätzlich gibt es noch das Kind mit seinem kosmischen Herzen,
das ein Gerüst um die Realität baut. Es benutzt dazu die Fantasie.
Die Fantasie erschafft im Geiste Möglichkeiten, Welten und Wesen.
Im Grunde spiegelt sie auch symbolisch Verhaltensweisen hinter den Dingen,
indem sie ihnen Formen zuweist, die mit einem Etikett versehen wurden. Vampire können Menschen sein,
die sich auf Kosten anderer Vorteile verschaffen.
Drachen können starke Menschen sein, die sich über andere erheben und sich durchsetzen können.
Monster spiegeln Ängste wieder.
Allerdings kann die Fantasie auch erschaffen. Zum Beispiel Visionen für die Zukunft.
Je stärker sie wirkt desto wahrscheinlicher ist, dass diese Visionen real werden.
Doch nun zurück zum Thema: Am Anfang war die Unendlichkeit.
Eine Eigenschaft der Unendlichkeit ist, dass in ihr alles existiert, was möglich ist.
Es ist nur nicht in die Realität des Seins manifestiert.
Was heisst das ?
Stellt Euch eine Zahl vor, die noch niemals im Universum verwendet wurde. Könnt ihr das ?“
Ron antwortete: „Das ist schwer !“
Tina entgegnete: „Stell Dir ein leeres Schulheft vor. Nun fängst Du an Zahlen,
die Dir willkürlich in den Sinn kommen, auf die Seiten zu schreiben.
Irgendwo auf der letzten Seite hörst Du auf.
Glaubst Du, dass diese riesige Zahl schon irgendwann einmal im Universum verwendet wurde ?“
Ron sagte: „Ja, es kann sein, doch wissen tue ich es nicht !“
Tina lächelte, als sie fortfuhr: „In diesem Experiment spielt es auch keine Rolle, ob nicht doch irgendwann einmal irgendetwas diese Zahl verwendet hat.
Wir tun nur so, als wäre es so, dass Du zum allerersten Mal diese Zahl verwendet hast,
indem Du sie aufschriebst.
Wenn man es genau nimmt, ist alles einmalig, doch dass lenkt jetzt nur ab !
Damit warst Du nämlich schöpferisch tätig und hast aus den Möglichkeiten der Unendlichkeit diese eine Möglichkeit herausgezogen und manifestiert.
Doch damit nicht genug. Die Zahl die Du aufgeschrieben hast, war zuvor schon existent,
denn sie befindet und befand sich im Spielraum der Möglichkeiten der Unendlichkeit.
Wenn man nun dieses Beispiel auf das reale Sein im Universum abbildet,
dann gab es alles in genau dieser jetzigen Version schon immer und wird es immer geben.
Dieser eine Augenblick, der das ganze Universum beschreibt, war immer, ist
und wird immer als Möglichkeit in der Unendlichkeit bestand haben.
Er ist nur im Jetzt manifestiert.
Und das Jetzt ist betrachtungswürdig, denn es enthält ein Geheimnis.“
Tina machte eine Pause.
Ron und Esselia warteten darauf, dass Tina weitermachte, doch Tina blieb stumm.
Esselia durchbrach die Spannung: „Und was ist das Geheimnis ?“
Tina schmunzelte, als sie fortfuhr:
„Es gibt ein Experiment, das Doppelspaltexperiment genannt wird. Damit wird bewiesen, dass das allerkleinste Teil der Materie entweder eine Schwingung ist oder ein ganz kleines Materieteil.
Normalerweise gibt es kein oder! Entweder etwas ist oder etwas ist nicht. Hier wurde bewiesen, dass beides ist !
Interessant ist, dass das vom Glauben des Betrachters abhängt.
Wenn ich das Experiment durchgeführt hätte, wäre das Ergebnis eine Schwingung, weil ich glaube,
dass das allerkleinste Teil eine Schwingung ist.
Nun ist es jedoch so, dass eine Schwingung nur eine Form ohne Inhalt ist. Wenn ich eine Schwingung in die Luft male, so zeichnet mein Zeigefinger eine Form in die Luft. Das Gehirn macht daraus eine Linie, die geschwungen ist. In Wirklichkeit ist sie jedoch nur Form. Eine Form, die etwas bewirkt, ohne Materie.“
Tina machte wieder eine Pause.
Ron schaute Esselia an und sagte: „Ja, stimmt, wenn der Lehrer eine Schwingung an die Tafel malt, so ist der materielle Abdruck der Kreide nur ein Symbol für eine Form, die keinen Inhalt hat. Irgendetwas wird von einem Punkt irgendwie zu einem anderen verschoben. Der Weg des Irgendetwas ist die Form.“
Tina ergänzte: „Genau! Jetzt ist es nur so, dass es im Allerkleinsten kein Irgendetwas gibt, das verschoben wird, sondern nur die Form.
Der Verstand kann das nicht verstehen, wie es die Unendlichkeit nicht verstehen kann. Doch so ist es und es ergibt SInn !“
Wieder machte Tina eine kleine Pause, damit sie die Zwei nicht überforderte und sie sehen konnte, ob sie ihr folgen konnten.
Esselia dachte laut nach: „Stimmt, der Verstand ist sehr materiell orientiert, doch ich kann fühlen, dass es so ist.“
Tina lachte und sprach „Ja, das Gefühl unseres kosmischen Herzens lässt uns die Wahrheit erfühlen und zwar dort, wo der Verstand aufhört, zu verstehen.
Doch nun zu dem Geheimnis!
Wenn nun alles auf einer Form, einer Schwingung basiert. Diese Schwingung nennt man übrigens Lemniskate und ist eine liegende Acht, und man versucht das Jetzt zu beschreiben, kann man einen gedanklichen Trick durchführen.
Zuerst einmal. Mit dem Ablauf der Zeit schwingen die Schwingungen umeinander herum und bilden einen kugelartigen Torus.
Energien bilden sich, die auf andere Schwingungskugelformen übergreifen, bis alles aus dem Mikrokosmos als Illusion der Materie wahrgenommen wird.
Da wir selbst auch nur aus solchen Schwingungskomplexen bestehen, wirken wir synchron zu den Schwingungen des Raumes, die uns umgeben.
Das nehmen wir dann alles so als feste Materie war.
Wenn wir nun das Jetzt betrachten wollen, halten wir die Zeit an. Das Jetzt ist der Übergang von dem was kommen wird in das was war.
Wenn wir nun immer mehr in die Zeit hinein vergrößern, so verlangsamt sich die Zeit und die Formen werden immer langsamer aufgebaut. 
Bis die Schwingung zu was wird ?“
Erwartungsvoll schaute TIna Ron und Esselia an und wartete auf eine Reaktion.
Esselia malte eine liegende Acht in die Luft und zeichnete sie immer langsamer, bis ihr Finger in der Luft stehen blieb. Dann nahm sie erschrocken den Finger weg und sagte:
„Wenn die Schwingung nur eine Form ist und wenn diese Form sich auflöst, weil die Zeit immer langsamer wird, bis sie stehen bleibt, dann löst sich die Form in Nichts auf !“
Tina fragte: „Und was bleibt ?“
Ron antwortete leise schluckend: „Nichts !“
„Genau“ sagte Tina „Im Jetzt wird aus allem Nichts und so wird oder eher noch bleibt, aus dem Nichts der Unendlichkeit, das Nichts im Jetzt.
In Kurzform: Von Nichts kommt Nichts !
Das Geheimnis der Unendlichkeit zeigt sich in der Betrachtung des Jetzt !“
Das musste sich erst einmal setzen. Tina wusste, dass das eine sehr tiefe Betrachtung des Seins war.
Die Frage, die sich daraus ableitete, war: „Wie kann dann aus dem Nichts die Wahrnehmung der Realität des Seins werden. ?“. Doch die Antwort darauf würde sie ihnen für heute schuldig bleiben.
So verabschiedete sich Tina und machte sich auf den Heimweg den Berg hinauf.
Sie dachte noch an die Beiden und freute sich, wieder einmal ein paar Impulse gesetzt zu haben.

© jogdragoon
Bibat ex me qui potest

Informationen zum Gedicht: „Wie groß ist die Unendlichkeit ?“ .. Tina’s Genesis Teil 1

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02.03.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (jogdragoon) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.