Verstreut mich draußen!

Ein Gedicht von Meteor
Was soll nur dieser Gräberkult?
Die Seele ist längst entschwunden.
Was dort liegt in Sarg und Muld',
Andenken ins Herz festgebunden.

Asche zu Asche, Staub zu Staub!
Unzählige Mal als Ministrant erlebt.
Begafft von allen, neugierig beschaut,
ob ja die ganze Familie am Grab steht.

Selbst Kinder muss man dazu zwingen,
öffentlich zur Zeremonie stillzustehen.
Wie rührend, wie sie mit Tränen ringen,
wartet darauf, sie heulend zu sehen.

Das alles war schon immer Heuchelei,
"Würde des Menschen" als Begründung,
der "Letzte Wille" zählt nicht dabei,
wichtiger die Bestattungsbestimmung.

Es lebe Steinmetz- und Sargindustrie!
Am Tod der Anderen soll sie gedeihen.
Zur Rufbewahrung protzt man wie nie,
die "Liebe" zum Toden im Prunk zeigen.

Um diesem teuren Ritual zu entkommen,
muss man heute "rechtzeitig" entfliehen.
Trotz Sterbeversicherung nicht entronnen,
noch lebendig ins Ausland umziehen.

Selbst eingeäschert, was lange unmöglich,
die Urne streng in Friedhofstelen betreut.
Gebührenpflicht zum Unterhalt nötig,
wehe, wenn wer einfach Asche verstreut!

Als ob es nicht genug Friedhöfe gibt,
viele sparen ihr Leben lang fürs Grab!
Genug Volk weiter Ruhestätte dort sieht,
verstreut mich draußen, sobald ich starb.

© meteor 2026

Informationen zum Gedicht: Verstreut mich draußen!

14 mal gelesen
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12.01.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Meteor) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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