Verlorenes Band
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Wenn ich dich sehe, weint mein Herz,
in meinen Augen wohnt der Schmerz.
Für dich scheint hell die Sonne heut,
während mein Herz den Schatten scheut.
Du stehst auf Gipfeln dieser Welt,
umgeben von Ruhm, von Macht und Geld.
Ich ging durch Täler, kalt und schwer,
der Rucksack leicht, die Seele leer.
Denkst du noch an die Jugendzeit,
als uns kein Verlust entzweit?
Wir saßen einst im selben Boot,
teilten die Hoffnung und das Brot.
Du schriebst bei mir, wir lachten viel,
das Leben war noch unser Spiel.
Kein Rang entschied, kein Stolz, kein Schein,
wir durften frei und einfach sein.
Dann trennten sich die Pfade still,
weil unser Leben es so will.
Du stiegst empor, ich blieb zurück,
verlor den Halt, verlor das Glück.
Mit jedem Schritt auf deiner Bahn
kamst du dem großen Ziel heran.
Doch manchmal frage ich mich stumm:
Was trieb dich so im Sturm herum?
Was kümmert noch die alte Zeit?
Sie schwindet in Vergessenheit.
Sie sinkt ins Dunkel, wird zur Nacht,
die stumm unsere alten Bilder bewacht.
Was nützt dir nun der große Wagen,
der Schmuck in diesen schnellen Tagen?
Ich brauche keinen goldnen Schein,
mein Reichtum ist, mir treu zu sein.
Bewunderung lässt sich nicht erzwingen,
kein Reichtum kann sie dir erbringen.
Was zählt, ist nicht Besitz und Geld,
sondern was den Menschen aufrecht hält.
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