Ungelesene Nachricht
Die Kinder schlafen.
Britt schließt leise die Tür
und bleibt mit der Stille zurück.
Im Wohnzimmer
zieht sie die Couch auseinander.
Das Gestänge knackt
wie etwas,
das zu lange gewartet hat.
Sie streicht das Leintuch glatt
auf der Seite,
die leer bleiben wird.
Das Telefon liegt schwarz
auf dem Tisch.
Unter dem Glas
sammeln sich Tage.
Daneben
eine Packung Kondome,
ein gestrandeter Silberfisch
im Küchenlicht.
Fritz braucht offene Türen, denkt sie,
und rückt sich selbst
an den Rand seines Lebens.
Weißt du noch, wer ich bin?
Die Frage hängt
als ungelesene Nachricht
zwischen ihnen.
Sein Auflegen
bleibt ihr unter der Haut,
ein blauer Fleck
in Form eines Fragezeichens.
Die Stimme der Mutter
schiebt sich unter der Tür hindurch:
Er kommt nur zu dir,
wenn anderswo
kein Licht mehr brennt.
Britt zieht die Decke
über den Kopf.
Aus wenigen Blicken
baut sie im Dunkeln
ein Zuhause,
das er nie betreten wird:
zwei Kinder,
ein gedeckter Tisch,
Schlüssel für alle.
Scheinwerfer streifen
über die Zimmerdecke.
Für einen Herzschlag
fällt Licht
in ihr erfundenes Haus.
Keine Schritte.
Kein Klingeln.
Nur die Küchenuhr
pickt Körner
aus der Nacht.
Britt flüstert den Satz,
den sie für einen Schlüssel hält:
Ich weiß, er liebt mich.
Das könnte Sie auch interessieren