Schleierhaft
Was man von sich nicht sehen soll
wird einfach unsichtbar verschleiert,
nichts wirkt doch so geheimnisvoll
was reizvoll wird verdeckt gefeiert.
Selbst oft die Sonne verbirgt sich
hinter vielen weißen Schleierwolken,
im Negligee versteckt sie ihr Licht,
zeigt nur das, was wir sehen sollten.
Ihr glühender Körper ist gezeichnet
von Flecken und Narben ihrer Stürme.
Ihr strahlendes Gold umschmeichelt
ihr starkes Sein als Flammengestirne.
Rot-orange-gelb flackerndes Feuer
schießt aus ihrer Oberfläche ins All.
Für das Leben ist ihr nichts zu teuer,
blutige Löcher gerissen im Schwall.
Ihr Herz glüht das ganze Jahr über,
leidenschaftliche Träume lodern auf,
entzünden ihre Hingabe immer wieder,
sie nimmt ihr Verglühen gerne in Kauf.
Hinter dem Wolkenvorhang knisterts,
ihr Strahlen heizt die Bühnenwand auf.
Im Schleier dampft es, jetzt flüsterts,
ungeduldig erwartet taucht sie heraus.
Es reicht schon ihr bloßes Erscheinen,
auch nur ein Teil, den sie offen vorzeigt!
Ihr Publikum wird sich zu ihr vereinen,
ihrem Auftritt ist jedes Leben zugeneigt.
Nur durch abgedunkelte Schutzbrillen,
ist sie unverschleiert pur zu betrachten.
Ihre Reichweite erst lässt uns existieren.
Schleierhaft, was wir ohne sie machten?
© meteor 2026
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