Schatten im Glanz

Ein Gedicht von Max Vödisch
Der Asphalt atmet die kalte Nacht,
während die Stadt im Lichte erwacht.
Ein Schatten kauert stumm im Wind,
wo alle Hoffnungen verloschen sind.

Sie bittet leise nur um ein Wort,
doch jeder scheucht sie wieder fort.
Man hastet weiter, den Blick verbrannt,
als hätte man sie nie gekannt.

Das Fenster glänzt im warmen Schein,
man lädt sich Wärme und Freunde ein.
Der Kaffee dampft, die Zeitung liegt,
man fühlt sich sicher und sanft gewiegt.

Die Decken weich, die Sorgen klein,
man malt den Tag im Sonnenschein.
Ein Paradies, so scheint es hier,
doch Not erfriert vor deiner Tür.

Die Stadt erwacht, ein Meer aus Licht,
ertränkt ihr stilles, blasses Gesicht.
Das Lachen hallt in grellen Reihen,
die Kassen übertönen das Schreien.

Ein kurzer Stich, ein leises Ach,
da wird man nur fürs Eigene wach.
Manch einer betet, sucht das Heil,
doch Nächstenliebe fehlt zum Teil.

Wenn die Stille langsam graut,
wird eine Frage in uns laut:
Ist unser Glück nicht nur ein Trug,
ein kurzer, völlig haltloser Flug?

Informationen zum Gedicht: Schatten im Glanz

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07.02.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.