Regenwurm mit Ansprüchen
Ein Regenwurm, sehr dünn und blass,
lag auf dem Pflaster, ziemlich nass.
Er wirkte, um es kurz zu sagen,
vom Dasein mächtig angeschlagen.
Er wand sich sehr mit großer Würde,
als trüg er eine Weltenbürde,
und sah, soweit ein Wurm das kann,
mich vorwurfsvoll und knatschig an.
Ich nahm ein Blatt und hob ihn sacht,
hab‘ ihn ins nasse Beet gebracht.
Doch statt sich herzlich zu bedanken,
begann der Wurm herumzuzanken.
Als wär das Beet, das ich ihm gab,
ein schlecht geführtes Einzelgrab.
Er kringelte sich wütend fort,
als wär dies‘ Beet der falsche Ort.
„Ach, Wurm“,sprach ich,“nun sei nicht dumm,
zick‘ hier nicht so albern rum.
Auch ich wohn‘ nicht, wo ich mal wollte.
Man landet oft dort, wo man nicht sollte.
Du wolltest sicher Meerblick haben,
und dich an Moos und Rosen laben.
Nun liegst du hier im Beet beim Dill.
Das Leben fragt nicht, was man will.“
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