Regenbogenblume

Ein Gedicht von Torsten Hildebrand
Um ihren schlanken Hals,
trägt sie mattgold: das Gepränge.
Und in der Sonnensenge,
da flimmert, glitzert ebenfalls,
ein weißbesticktes Kleid.

Das Mädchen nimmt sich leicht die Zeit;
und schlüpft in diese Kleid.
Weich schmiegt sich dieser Stoff an Haut
und goldner Pflug wirft Schatten drauf.
Fast sieht sie aus, wie eine Braut.
Da hört man von 'nem Luchs Geschnauf.

Der Luchs, er geht ihr bis zum Knie;
und schaut zu ihr ergötzlich rauf.
Die kleine Dame weiß nicht wie -
Doch nimmt sie Luchs wohlwollend auf.

Nun gehen sie des Weges hin.
Hinten wirbelt: Sand und Staub.
Der Luchs führt seine Königin.
Und geht für sie auf Raub.

Den goldnen Pflug, den sie da trägt,
als Talisman und Glücksgeleit.
Wie weich er an die Brust ihr schlägt,
als wär's die schönste Seligkeit.

Jetzt wandert Sonne in ihr Bett.
Der Horizont verdunkelt sich.
Da sagt sie: '' Komm lieber Luchs! und sprich.
Wann wir denn finden das Skelett.
Was uns den besten Reichtum zeigt?

Die Nacht ist da. Der Mond beäugt:
Das Luchstier und die schöne Frau.
Ein Uhu der sich noch verbeugt,
von seinem grauen Ast.
Hat auch die zwei ins Aug gefasst.
und schaut so stumm und schlau.

Der Luchs, der schnupft das Mädchen an.
Ganz Raubtierkatzenköniglich.
Weil er sich so verständ'gen kann.
Die kleine Frau versteht ihn schlicht,
streicht ihm das Fell und spricht:
'' Drei Tage noch zum Skletterich! ''

Die Tage gehen flugs dahin.
Da sitzt der Rippenmann am Fels.
Die Knochen braun, wie ein Gehölz,
was lange lag im Wasser drin.

'' Orakelknochen Rippenschwärz!
Sage uns, wo liegt der Schatz?
An welchem Ort? An welchem Platz?''
Schon blitzt ein Auge, hell wie Erz.

Das Auge blitzt zur Krüppel - Eibe.
Die vereinsamt, eisern steht.
Sie gibt den Schatz wohl, eine Bleibe.
Wo elegant jetzt Luchs hingeht.

Man sieht ein kleinen Riss.
Die Äste stehen wie zur Wehr.
Der Luchs versucht's mit einem Biss.
Doch hat er nur Malheur.

Vom Angriff nun schmerzt sein Gebiss.
Die kleine Dame lächelt mild.
Sieht Krüppel - Eibes - Spiegelbild;
und streicht sanft das Blätterflies.
Und flötet zu ihr süß:
'' Ach liebes Eibchen! sei nicht wild.
Wir wollen nur dein Schatz besehn.
Und gleich wieder von dir gehn.''

Mit einem Knarren schiebt das Holz,
sich Stück für Stückchen auseinander.
Jetzt funkelt stark der Pflug am Hals.
Als wollt' er warnen! - Als Gesandter!

Doch Herz gefasst und frohen Mut's,
tritt man mit Schritten ein.
Man nimmt in Kauf der Eibe Schmutz.
Für Schatz muss man nicht sauber sein.

Doch die Äste schlagen jetzt
mit einem Krachen wieder zu.
Der Eingang ist vernetzt.
Das war Eibes Fallen - Clou.

Doch da! in einem Astgeflecht,
leuchten schöne Farben.
Und diese ganze Leuchtgeprächt',
kommt nur von einer Blume.
Entzückt ist junge Dame.
Und will die Blume haben.

Farbenblume bricht sich leicht.
Ist seidig wie ein Hundefell.
Das Ziel der Reise ist erreicht.
Doch der Rückweg geht nicht schnell.

Ein Blümchenblatt vibriert. Tut's winken?
Und man merkt: Es zieht voran.
Wird es uns den Ausweg bringen,
dass wir ins Freie kommen dann?

Die Blume zeigt den rechten weg.
Aus Eibenkrone steigt man aus.
Ganz mulmig schaut mit Augen schräg:
der Luchs aus diesem Loch heraus.

Das Mädchen schaut noch ganz vernarrt
inbrünstig, auf die Farbenblum'.
Doch wie sie schaut, geht auch posthum,
ein Teil von ihr auf Geisterfahrt.

Regenbogenblume offenbart:
Das Schicksal und, was Freude macht.
Das Mädchen schmilzt dahin und lacht -
Durchscheinend wirkt sie bald - Zu zart.

Der Schatz des Reichtums Glücks -
Sie hatte ihn gefunden.
Doch der Preis des Augenblicks,
frass in allen Stunden.

Informationen zum Gedicht: Regenbogenblume

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18.10.2011
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Torsten Hildebrand) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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