Pantomime
Wenn Sprache ohne Schall spricht,
spiegelt sie sich wider im Gesicht.
Mit deinem ganzen Körper
bist du mir dann deutlich hörbar.
Beobachte deinen Ausdruckstanz,
deine eloquent bewegte Eleganz.
Klebe an deinen stummen Lippen,
sehe, was sie mir ausdrücken.
Folge deiner raffinierten Zunge,
sie formt sich zum Zeichenpinsel.
Du malst für mich mit vollem Munde,
kreierst mir eine orale Bilderinsel.
Wangen, die sich heben und senken,
wortlos verstehe ich ihr Ansinnen,
Mundwinkel mich sanft ablenken,
deine Augen blenden mich von innen.
Sie schreien mir deine Gedanken zu,
lautlos überzieht mich ihre Wucht.
Pupillen kreiseln voller Unruh,
artikulieren, was in dir nach mir sucht.
Dein Kopf neigt sich nun zur Seite,
geschlossen deine Augen und Mund,
deine Kehle offenbart mir ihre Seide,
geschmeidiger Anblick, mein Befund.
In Ungeduld schwingt dein Körper,
wie ein Gedicht darf ich ihm lauschen,
dein Verlangen fordernd hörbar,
wie Wogen ist es in dir am Rauschen.
Da stampfst du mit deinen Augen auf,
blickst mich bedrohlich von unten an,
Lippen pressen ärgerlich auf sich drauf,
Hände packen mich, ziehen mich heran.
Das war es wohl mit deinem Prolog,
die Einleitung war wahrlich vorbildhaft.
Das nächste Kapitel mündet im Dialog,
zwei Körper kommunizieren ihre Nacht.
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