Neonkäfig
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Im Käfig der Nacht,
wo Neon die Sterne ersetzt,
verkauft sich die Seele
für Takte aus Stahl.
Gesichter wie polierte Scheiben,
maskiert von Schminke und Pose,
sprechen in Dialogen ohne Gewicht –
ihr Lachen klingt wie Münzen,
die in dunkle Schächte fallen.
Die Superfrau –
ein Idol aus Reklame,
glänzend, unverwundbar,
doch hinter der Fassade
nur ein Echo aus Konsum und Kalkül.
Am Tresen warten Gestalten,
die Nähe mit Besitz verwechseln,
Begehren mit Triumph
und die Ringe der Ehe
zu Handschellen schmieden.
Der Morgen rechnet gnadenlos ab:
das Portemonnaie geplündert,
der Kopf ein Schutthaufen aus Alkohol,
die Würde im Aschenbecher
zwischen kalten Gläsern vergessen.
So wird die Nacht zum Spiegel der Zeit:
ein Theater der Oberflächen,
in dem Menschen sich verlieren
in Lärm, Rausch und Illusion –
Gefangene eines goldenen Käfigs
namens Gesellschaft.
Und ich erkenne:
Der Neonkäfig ist mehr
als ein Tanz auf müden Beinen –
er ist das Symbol einer Welt im Taumel,
die längst den Sinn vertanzt hat.
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