Kurvige Tage
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Ich fuhr mit einem Mann ein Stück,
der Dinge pflegt und neu belebt,
auf die man erst mit Reue blickt,
wenn sich in ihnen nichts mehr regt.
Er sagte, Wege kehrten wieder,
auch wenn man glaubt, man sei schon weit.
Er sprach so schnell, ich schlug die Lider
der Augen zu vor Einsamkeit.
Ich folgte Schildern ohne Mut,
sie wiesen Wege, fremd und klar,
doch wirkten sie als Führer gut,
auch wenn ich niemals dort schon war.
An Tagen hebt sich alles leicht,
an anderen gibt der Boden nach,
bis man die Stille fest erreicht,
weil jede Übung in sich brach.
Er sprach von seiner Tochter dann,
als Beweis, dass etwas blieb,
ein Name, der von vorn begann,
den er in sein Gedächtnis schrieb.
Ich fragte mich, wann ich begann,
wann mein Gewicht die Erde traf,
da ich mich kaum erinnern kann –
wie ein Gast im tiefen Schlaf.
Ich kenne jedes Möbelstück,
doch blieb der Grundriss mir verwehrt,
ich blicke auf die Zeit zurück,
die mir gehört und doch verzehrt.
In Unruh' habe ich gebadet,
Gewohnheit wurde mir zum Brot,
das zwar dem Geiste eher schadet,
doch lindert sie die Fragennot.
War das, was war, auch wirklich wahr
oder nur ein Bild, das mir gefiel?
Die Tage fließen unvorhersehbar,
ganz ohne Warnung, ohne Ziel.
Ich komme mir näher Stück für Stück,
aus Mattigkeit, nicht aus Gewinn,
vielleicht liegt darin doch ein Glück,
dass ich noch nicht am Ende bin.
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