Knieschoner.

Ein Gedicht von Christine Biermann
Knieschoner.
Gefangen in der Preisspirale,
umfasst sie uns Konsumenten alle, nämlich die Kostenfalle.
Kein Rädchen will mehr ins andre passen, die Stabilität hat uns verlassen.
Arm sind wir nicht, ich will nicht klagen, doch der riesengroße Einkaufswagen, der mich auffordert ihn zu beladen,
zwingt mich Preise zu vergleichen, die von gestern zu heut schon wieder abweichen.
Während ich mit dem Drahtross gehe, in jedem Gang suchend lang stehe,
wundert mich manches Regal: schon wieder ausverkauft Mehl und Öl, ist das normal?
Leere Borde gähnen mich an, mit dem Toilettenpapier fing es an.
Einmal traute ich mich eine Lage von 12 Rollen zu nehmen, an der Kasse fing ich an, mich zu schämen.
Man würde mich jetzt zu den Hamstern zählen, die den anderen den Konsum wegstehlen.
Neulich, als ich wieder Regale inspizierte, und mich für Preise interessierte,
ob sie gestiegen oder nicht, fiel wieder ein leeres Fach ins Gewicht.
Es machte mich an: „Du wirst schon was finden, wenn du dich bückst und schaust nach hinten.“
Tatsächlich knickte ich meine Kniegelenke- und sah- o Himmel- die beiden Geschenke.
Zwei Kilo Mehl, für mich limitiert, Omeletts und Kuchen sind garantiert.
Listig auf den Geschmack gekommen, hab ich auch noch Taschentücher mitgenommen.
Ganz unten- hinten; mit bloßem Auge sieht das keiner der das nicht kennt: 2o Stück für 99 Cent.
Allerdings wird` mir auf die Dauer nicht gelingen, mich bei jedem Einkauf in die Beuge zu zwingen, oder mit einem Knieschoner zu schützen; die neue Lieferung wird preislich steigen und meine Vorbeugung gar nichts mehr nützen.

Informationen zum Gedicht: Knieschoner.

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14.05.2022
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Christine Biermann) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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