Immer hinter deinen Schritten
Ein Gedicht von
Robert Späth
Ich bin der Schatten, der dich nicht verdunkelt,
der große, stumme Baum an deinem Weg.
Während du rennst und deine Knie an den Steinen reibst,
bin ich die Erde, die den Aufprall weich empfängt.
Ich zähle deine Schritte in der Dunkelheit,
nicht um sie zu lenken, sondern um zu wissen, wo du atmest.
Mein Blick liegt auf dir wie die Sonne auf dem Korn:
er wärmt dich, ohne dass du ihn rufen musst.
Wenn du schläfst, bin ich das Salz in den Mauern,
das die Kälte draußen hält.
Ich beobachte das Heben deines kleinen Rückens,
das leise Segel deines Atems im großen Meer der Nacht.
Du weißt nicht immer, dass ich da bin – und das ist gut so.
Der Fluss muss nicht an sein Bett denken, um zu fließen.
Aber wenn der Sturm die Vögel aus den Nestern treibt,
wirst du merken, dass der Wind erst an mir zerbrechen muss,
bevor er deine Haare berührt.
Ich wachse in die Erde, damit du in den Himmel greifen kannst.
Und solange meine Augen Licht in sich tragen,
wird kein Abgrund tief genug sein,
als dass meine Hand dich darin nicht fände
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