Im Vorraum des Glanzes
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Wir rauchten einst den Nebel der Flucht,
verloren im Schweigen der inneren Sucht.
Heut trinken wir bitter, was gestern begann,
vergessen als Trost, so gut man es nur kann.
Wir drehen uns weiter im Karussell der Mode,
getriebene Träumer im flackernden Code.
Was glänzt, wird begehrt, was still ist, verliert,
ein Spiel, das sich selbst immer neu inszeniert.
Die Schickeria thront auf vergoldeten Höhen,
wo Scheine regieren und Gedanken vergehen.
Kein Platz für die Kunst, kein Ohr für den Sinn,
nur Glätte und Ordnung bis tief nach innen hin.
Die Türen sind schwer und bleiben verriegelt,
unsre Sehnsucht verhallt, geschniegelt, versiegelt.
Wir warten im Vorraum der glänzenden Kunst,
Statisten des Reichtums, gefangen im Dunst.
Wir basteln uns Kronen aus schimmernder Lüge,
stapeln die Nächte zu trügerischem Gefüge.
Wir nennen es leben, was flimmert und flieht,
bis morgens nur bleibt, was man deutlich jetzt sieht.
Dann stehen wir da, nur Schatten im Licht,
verlorene Formen mit hungerndem Gesicht.
Der Glanz, den wir suchten, hat uns nie gemeint,
nur Spiegel geschaffen, in denen man weint.
Die Straßen erzählen von Gier und Gewinn,
die Fassaden versprechen, doch lassen uns nicht hin.
Wir bleiben die Zuschauer draußen im Spiel,
ein Einsatz aus Hoffnung, ein unerreichbares Ziel.
Und dennoch, im Schweigen der nächtlichen Zeit,
glimmt leiser Widerstand, zaghaft, doch bereit.
Ein Funke, der zweifelt am eisernen Schein,
am Gesetz der Oberfläche: Du musst glänzend sein.
Wir sind Außenseiter im falschen Himmel,
unbeachtete Sterne im grellen Gewimmel.
Wir warten auf Türen, die keiner uns zeigt –
und hoffen, dass eine sich irgendwann neigt.
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