Im Spiegel der Tränen
Ein Gedicht von
Claudia Behrndt
Dort drüben steht eine Frau im Licht,
sie weint so still, ihr Herz zerbricht.
Aus kleinem Ort, von Leid gezeichnet,
von dunkler Angst fast ganz enteignet.
Ihr Blick trifft mich, so schwer, so klar,
als ob kein Trost mehr möglich war.
Ich sehe, wie sie kaum noch steht,
weil jede ihrer Tränen tiefer geht.
Ich geh zu ihr hin, ganz ohne Hast,
nehme ihre Hand, die zittert fast.
Ich zeige ihr: Du bist nicht allein,
sie spürt, ich darf ihr Anker sein.
In meinem Arm wird sie ganz still,
weil Hoffnung wieder wachsen will.
Die Sorgen fallen Stück für Stück,
wir schauen leise vor ins Glück.
Wir sagen: Morgen wird es gut,
ein neuer Tag schenkt neuen Mut.
Da reißt ein Klang mich jäh heraus,
der Traum vergeht, ich wach nun auf.
Doch jetzt wird mir auf einmal klar,
dass diese Frau mein Spiegel war.
Ich lächle sanft und sehe mich an:
Ich bin es selbst – und fang neu an.
© C. B.
Oktober 2018
Das könnte Sie auch interessieren