Heiligabend

Ein Gedicht von Horst Rehmann
Ein armes Kind läuft durch die breiten Straßen,
überall kann es die bunten Lichter sehen,
Spielzeug in den Läden, in enormen Massen,
mit off´nen Augen bleibt das Kindlein stehen,
welch Farbenglanz, es ist so wunderschön.

Vor einem strahlend Fenster macht es halt, im Licht,
versteht den Rummel, auch den Trubel drinnen nicht,
es sieht ein Kind am reich gedeckten Tisch,
dort stapeln Getränke, Fleisch und Käse sich,
daneben liegen Gaben, von unsäglichem Gemisch.

Gelangweilt starrt das Kindlein die Geschenke an,
hat all die edlen Dinge hier, in großem Überfluss,
es gibt nichts, was man ihm noch schenken kann,
im Gesicht erkennt man Missmut und Verdruss,
ein Kind, das dazu auch noch lächeln muss.

Dieses Kind besitzt längst schon das Feinste, das Beste,
von den Eltern fest umsorgt, benötigt es nichts mehr,
Ich armer Tropf am Fenster, leb ständig nur von Reste,
verpöne diese Zeiten, auch die Gesellschaft sehr,
kann diese Welt nicht recht versteh´n, nicht das Gehetze.

Doch eines denkt das Kind: Trotz Armut und dem Leiden,
ich weiß trotz allem, wer das meiste Mitleid hat verdient.
Bei dir ist Reichtum, ich bin das Ärmste von uns Beiden,
aber du als stets verwöhnte Göre, bist in Wahrheit blind
und weiß Gott, ein total verarmtes, reiches Kind.

© Horst Rehmann

Informationen zum Gedicht: Heiligabend

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22.12.2015
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