Heiligabend 2020

Ein Gedicht von Elisa Schorn
Das winzige Zimmer ist festlich geschmückt,
der Stollen duftet ist wieder geglückt.
Ein gedeckter Tisch steht mitten im Raum,
dahinter leuchtet der Weihnachtsbaum.

Im Ofen schmort der Gänsebraten,
auf den ihre Kinder sehnsüchtig warten.
Klöße und Rotkohl köcheln im Sud,
ein Gläschen Punsch macht ihr großen Mut.

Sie eilt zum Fenster und schaut hinaus.
Doch niemand steht vor dem kleinen Haus.
Sie schließt es erneut, blickt auf die Uhr.
Wo bleiben denn ihre Gäste heut’ nur?

Fünf Kinder hat sie großgezogen,
schon lange sind alle fünf ausgeflogen.
Doch Heiligabend kehren sie heim,
um Gäste bei ihrer Mama zu sein.

Längst ahnt sie nun, es wird keiner kommen.
Ein Virus hat ihr die Freude genommen.
Einsam sitzt sie im winzigen Zimmer
hofft und hofft und hofft noch immer...

Copyright © 2020 Elisa Schorn

Informationen zum Gedicht: Heiligabend 2020

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19.11.2020
Das Gedicht darf weder kopiert noch veröffentlicht werden.
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