Gleich alt

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Meine Puppe ist in die Jahre gekommen.
Sie sitzt am Fenster im Sonnenlicht.
Verfilzt das Haar, ein Auge erlischt.
Doch hat ihr die Zeit nicht das Lächeln genommen.

Ihr Kleid ist müde – Motten fraßen dran.
Die Säume dünn, der Stoff schon zernagt.
Er hat sich stumm durch die Jahre geplagt.
Das Kleid hält trotzdem, so gut es kann.

Wir sind gleich alt. Kein Trost, nur wahr.
Ihr Stoff wird Staub, mein Körper auch.
Mein Lächeln jedoch ist in Gefahr.

Das sehe ich nun. So schlicht, so klar:
Von der Kindheit bleibt nichts als ein Hauch.
Wir alle zerfallen Jahr um Jahr.

Informationen zum Gedicht: Gleich alt

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10.02.2026
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