Genäschigkeit

Ein Gedicht von Hans Hartmut Dr. Karg
Genäschigkeit

Da hat man sie schön eingeladen,
Die Exaltierten, die man kannte,
Obwohl so mancher einen Schaden,
Mitunter auch der Anverwandte.

Die Speisenauswahl wird echt schwer,
Man will nicht Käse und nicht Schwein,
Kein Wild, nicht Fisch, nicht Lamm soll her,
Nur Magerrind darf es noch sein.

Das kommt mit Meerrettich, Salat,
Ganz wie erwünscht an ihre Tafel,
Doch wird dieses zur Missetat,
Wo immer nur Gesundgeschwafel:

Kartoffeln sind zu sehr gesalzen
Und auch die Soße schmeckt nicht gut.
Mit der Zunge muss man schnalzen,
Wenn Bestes führt zu Übermut.

Und eine Dame, recht verzogen
Will immer mit Ansprüchen nerven,
Ist deshalb nicht dem Koch gewogen,
Will an ihm die Kritikkunst schärfen.

So wenden sich bei dieser Dame,
Die nicht weiß, wie es sich gehört,
Die Freunde ab, weil dann erlahme
Die Gastlichkeit, die ohne Wert.

Doch sagt man deshalb lieber nichts,
Weiß, dass deren Genäschigkeit
Mit Widerwillen trüben Lichts
Lebt aus nur die Hochnäsigkeit.

Menschen, die uns scheren müssen,
Bleiben Sklaven ihrer Launen,
Fliehen immer den Genüssen,
Halten niemals hoch die Daumen.


©Hans Hartmut Karg
2020

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Informationen zum Gedicht: Genäschigkeit

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27.06.2020
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Hans Hartmut Dr. Karg) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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