Fliehendes Schweigen (Kurzkrimi)
Zwei Stufen noch und er stand vor ihrer Wohnungstüre. Den Schlüssel besaß er nicht mehr. Sie hatten sich vor einiger Zeit getrennt. Seine einst so große Liebe, hatte von der Affäre mit einer Kollegin Wind bekommen und die Zwei eines Tages eng umschlungen in seinem Auto sitzen sehen. Sie war ruhig geblieben, so schien es nach außen hin aber hätte jemand in ihr Herz blicken können, wäre ihm ein Ort der Zerstörung offenbart worden, für dessen Hoffnung auf Wiederaufbau er nichts mehr gegeben hätte.
Zitternd betätigte er den Klingeltaster. Minuten vergingen aber es öffnete niemand.
"Mira, Mira, mach doch bitte auf. Ich bin es, David. Hör zu, Mira, hör doch bitte zu. Mutter ist tot, Mutter....." Eine Etage tiefer öffnete jemand heftig die Türe.
"Was willst Du hier, du Ratte?", schrie eine männliche Person, mit einer ihm bekannten Stimme, die Treppe hoch. "Wenn Du nicht dein Maul hältst, werde ich es Dir stopfen. Betrügt dieser Dreckskerl erst meine Tochter und will sich jetzt wohl wieder bei ihr einschleimen, was? Pass bloß auf, dass ich Dir nicht die Fresse poliere.“
Es war sein Schwiegervater, ein grober Typ, mit einem großen Potential an krimineller Energie. Einen großen Teil seines Lebens hatte er im Knast verbracht, wegen Raubüberfällen, Körperverletzungen und so.
"Hab heute Morgen meine Mutter tot aufgefunden, mit einer Messerklinge in der Brust. Ein Nachbar hat, kurz bevor ich eintraf, Miras Wagen vor Mutters Türe gesehen. Vielleicht ist ihr etwas aufgefallen. Ein Raubüberfall war es, auf Mutters Schmuck und die Brieftasche mit ihrem Ersparten hatte es ihr Mörder abgesehen.“ Der Alte guckte etwas verlegen als plötzlich eine junge Frau hinter ihm stand. "Verschwinde!", raunte er ihr zu. Der will Dich nur wieder einwickeln. Wirst doch wohl die Schnauze voll haben, von so einem Arschloch.“ David kam langsam die Treppe hinunter.
"Mira, Mutter ist tot. Hast Du etwas gesehen? Mira, Mira nun sag doch etwas.“ Mira war kreidebleich im Gesicht. Im Badezimmer ihres Vaters war ihr ein Hemd aufgefallen, das mit Blutspritzern übersät war. Auch an dem Handtuch, das vor der Waschmaschine lag, hatte sie Blutflecken gesehen. Aber sie schwieg, so wie Mira immer schwieg, wenn sie von Polizisten zu den Missetaten ihres Vaters verhört wurde.
"Nein, nein David. Ich hab deiner Mutter nur die Wäsche gebracht. Sie hatte mich gebeten zur Wäscherei zu fahren. Es ging ihr nicht gut, ihre schreckliche Migräne. Du weißt doch, dass ich immer für sie da bin. Das hat mit uns auch gar nichts zu tun, ich habe es immer nur für sie getan, nur für sie." Ein paar Tränen liefen der jungen Frau über die Wangen. „Was heulst Du denn, mein Kind? Wegen der brauchste nicht zu heulen, war auch nicht besser als ihr Ableger. Nase hoch und eingebildet, dass ist dieses Pack. Hab sowieso nie verstanden was Du an diesem Kerl findest,“ Mira hörte gar nicht hin. Sie mochte es nicht, wenn ihr Vater so über andere Personen sprach, besonders dann nicht, wenn sie diesen Menschen nahe stand, wie ihrer Schwiegermutter.
Unten im Hausflur, bewegten sich zwei uniformierte Gestalten. Es schien, als hätten sie bei Frau Claas der Hausmeisterin geklingelt, denn die öffnete gerade die Türe. Sie wechselte mit den Beamten ein paar Worte, zeigte dabei mit dem Finger nach oben. Kurz darauf liefen die Polizisten die Treppe hinauf. Einer von ihnen stellte sich direkt vor Miras Vater. "Ach, sie mal an", sagte er. "Wen haben wir denn hier, ein alter Bekannter. Was bist Du denn so nervös, gibt`s da einen Grund?"
"Lasst mich bloß zufrieden, ich habe mit der Sache nichts zu tun. Hab meine Strafen immer abgesessen. Seit fünf Jahren war keiner von Euch mehr hier und ich auch nicht mehr auf dem scheiß Polizeirevier. Bin sauber geworden, aber das kriegt Ihr wohl nicht in Eure Beamtenschädel.“ Der Beamte winkte ab, sagte noch: „Schön wäre es.“
"Sie sind die Tochter?" fragte sein Kollege Mira, die zitternd hinter ihrem Vater stand. "Ich, ich..... ja, die Tochter bin ich", stotterte sie. " Frau Mell hat mich gebeten, ihr die … die Wäsche zu bringen. Sie sah müde aus, hatte wohl Migräne, sagte sie. Ich bin dann auch sofort wieder gegangen."
"Ist Ihnen sonst nichts aufgefallen?"
"Nein, nichts."
"Warum sind Sie dann so nervös? Irgendetwas stimmt hier doch nicht." Mira wollte gerade nach oben, in ihre Wohnung, doch einer der Polizisten stellte sich ihr in den Weg.
"Was gibt’s denn, da oben?"
"Mira, äähm Frau Radler wohnt dort oben.", mischte David sich ein.
"Ach, direkt über ihrem Vater, was. Wir gehen mal mit hoch. Da können wir in Ruhe über alles sprechen. Ich habe das Gefühl, dass die Anwesenheit ihres Vaters Ihnen Angst macht. Aber wo steckt der denn überhaupt? Herr Sode, Herr Sode wo sind Sie?" Das Geräusch eines Schusses drang aus der Wohnung ins Treppenhaus. Mira schrie wie verrückt und hielt sich die Ohren zu. David nahm sie in den Arm um sie zu beruhigen, die junge Frau zitterte am ganzen Körper. Jeder der Anwesenden konnte sich denken, was da gerade passiert war. Mit gezogenen Waffen betraten die Beamten die Wohnung. Auf dem Teppich im Wohnzimmer, fanden sie die blutüberströmte Leiche von Miras Vater. Neben seiner rechten Hand lag ein sechsschüssiger Trommelrevolver der, wie sich später herausstellte, die Tatwaffe bei einem Banküberfall war, bei dem vor zwei Jahren ein Angestellter erschossen wurde. Auf dem Wohnzimmertisch lagen ein paar wertvolle Schmuckstücke und eine Brieftasche.
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