Falsche Papiere

Ein Gedicht von Chandrika Wolkenstein
Der Kühlschrank hat Vorstrafen.

Er hat ganze Diäten verschwinden lassen,
Pläne vereitelt,
Vorsätze kaltgestellt
und die Nacht portioniert
in Tupperdosen.

Ich komme zu ihm
mit leerem Mund
und vollen Händen.

Er fragt nicht,
woher die Unruhe stammt.

Er nimmt sie entgegen,
legt sie neben die Butter,
hinter das Glas mit den sauren Gurken.

Er hält mir die Vorräte hin
wie falsche Papiere:

Ein Rest Risotto,
Senf und Schokolade,
Joghurt und Erdbeeren.

Der Kühlschrank und ich,
wir sehen uns nicht an.

Das ist Teil der Abmachung.

Ich nehme,
was ich nicht brauche
und brauche es trotzdem.

Er gibt mir Kälte.
Ich gebe ihm Schuld.

Morgen wird niemand etwas merken.

Nur der Löffel liegt
falsch herum
in der Spüle.

Informationen zum Gedicht: Falsche Papiere

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17.06.2026
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