Edles Glück [2]

Ein Gedicht von Marcel Strömer
Warum sollte es mir anders ergehen als dir?
In der Stille der Nacht, auf dem Weg nach Hause,
hast du die gelben Astern zertreten,
hast verächtlich auf den Boden gespuckt.
Der Mond wachte über deine Gedanken,
während alle anderen längst in Träumen versunken waren,
und du wandtest dich ab,
auf der Suche nach dem Glück,
das nur so wunderschön leuchtet –
in der Dunkelheit wie ein Stern.

„Wach auf!”, hat man dir zugerufen,
doch mein Herz, so voller Mitgefühl,
würde dich niemals aus deinem Traum reißen,
nie stören in diesem kostbaren Moment,
in deinem Tagtraum,
so real wie du selbst,
mit Augen, die die Wahrheit schreiben,
wie ein offenes Buch, das niemand liest.

Doch unter dem Aufglanz deines Lächelns
verstecken sich die kleinen, beinahe unsichtbaren Tränen,
die still und heimlich
deine Wangen entlang wandern.
Du scheinst viel zu erdulden,
als wäre dein Schmerz ein Schatten,
den nur wenige wahrnehmen.
Nun stehst du allein,
die Straße entlang gehend,
deine Schritte klingen
wie das Zerbrechen von Muscheln am Strand.

Deine Haare sind nass vom Regen,
ein sanfter Schleier, der deinen Kummer verbirgt,
und der Kopf, wie schwer beladen,
niedergeschlagen, tief gebeugt,
vielleicht wie ein Clochard, der alles verloren hat.
Warum sollte es dir anders ergehen, denke ich mir,
denn auch ich habe meine Liebe verloren,
damals, in einer Nacht,
als die Dunkelheit alles verschlang.

Ich verweigerte sogar den letzten Abschiedskuss,
ließ die Worte ungesprochen,
auf dem Weg nach Hause
fand ich die Blumen wieder,
die du mir aus reinem Herzen geschenkt hattest.
Behutsam hob ich sie vom Boden auf,
und mit ihnen kam all die Erinnerung zurück,
der bezaubernde Duft des edlen Glücks,
der noch immer in der Luft hängt,
wie ein Gemälde aus Vergangenheit und Traum,
verwebt mit dem Schmerz,
der uns beide leise umarmt.
So frage ich, warum sollte es mir anders ergehen als dir?


© Marcel Strömer
[Magdeburg, den 29.08.2025]

Informationen zum Gedicht: Edles Glück [2]

11 mal gelesen
(Es hat bisher keiner das Gedicht bewertet)
-
29.08.2025
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Marcel Strömer) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
Anzeige