Echo in den Augen

Ein Gedicht von Max Vödisch
Ich starre hoch, der Himmel grau und leer,
der Tag flackert wie ein Bildschirmfehler her.
Dein Blick taucht auf, so giftig und so grell,
zu hell für diese Welt, digital entstellt.
Ich flüchte heim, will mich im Dunkeln fassen,
doch selbst mein Kissen kann dich nicht entlassen.

Der Morgen kommt, der Kaffee bleibt nur bleich,
am Fensterglas regiert dein Schattenreich.
Als wärst du nie gegangen, stehst du dort,
ein Standbild ohne Atem, ohne Wort.
Strichmännchen, Schatten, alles wird verschwommen,
doch du bist scharf ins Bild zurückgekommen.

Die Scheiben werfen dein Gesicht zurück,
ein ewiges Foto, raubt mir jedes Glück.
Wann hört das Jagen auf, wann wird es still?
Dein Antlitz kennt den Aus-Knopf nicht, den ich so will.
Ich suche Ruhe, einen klaren Geist,
während dein Bild mein ganzes Denken speist.

Dort oben thronst du, fern in deinem Glück,
an seiner Seite, ohne Reue oder Blick.
Du lässt die Männer einfach so zerbrechen
und wagst es noch, von Wahrheit zu versprechen.
Es bleibt ein Rahmen, den ich niemals schließe,
damit ich nicht in deinem Licht verfließe.

Informationen zum Gedicht: Echo in den Augen

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20.01.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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