Digitales Erbe

Ein Gedicht von Max Vödisch
Was bleibt von den Zeilen im weiten Geflecht,
wenn die Hand, die sie schrieb, nicht mehr lenkt?
War’s nur ein flüchtiger Blick, der vergeht, ungerecht
oder das Wort, das ein Herz noch beschenkt?

Die Schränke geleert und die Räume geklärt,
das Greifbare fügt sich ins Leben hinein.
Was ist das Schweigen der Server noch wert
im endlosen, zeitlosen Widerschein?

Es wandern die Geister durch Daten und Licht,
ein Echo der Ferne in wandelnder Gestalt.
Vielleicht liest ein Fremder ein altes Gedicht
und findet darin seinen stillen Halt.

Ist Bleiben ein Denkmal, nicht steinerner Schein,
kein Name, der über den Zeiten thront?
Vielleicht nur ein leises Erinnern, so klein,
das tief in den Silben noch wohnt.

Informationen zum Gedicht: Digitales Erbe

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01.05.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.