Die versperrte Tür (1968)
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Ein Sommer in Unruhe, die Welt stand in Brand,
der Prager Frühling erschütterte fern jedes Land.
Er war neunzehn Jahre, ein Talent ohne Maß,
doch in der grauen Kaserne herrschte Befehl – ohne Rast.
Ein Ausgang verboten, die Vorschriften waren klar,
doch Funktionäre drängten: „Das Spiel ist heut’ da.“
Er ging und er spielte, vom Jubel umweht,
kehrte nachts in die Stille, von niemandem erspäht.
Am Morgen die Zeitung, gedruckt schwarz auf weiß,
sein Name in Reihen — der Anfang vom Preis.
Was heimlich geschehen, lag offen im Licht
und Neid wurde Ankläger, die Pflicht vorm Gericht.
Das Urteil fiel hart, man nannte es Verrat,
sie nannten es Fahnenflucht, Vergehen am Staat.
Die Herren im Hintergrund kauften sich frei —
er zahlte den Preis – und zerbrach dabei.
Ein Stempel im Register, ein Makel im Recht,
fortan galt er amtlich als politisch zu schlecht.
Der Radikalenerlass verschloss jede Tür,
kein Dienst für den Staat war vorgesehen für ihn hier.
An den Walzen der Presse, im Rhythmus der Zeit,
druckte er Nachrichten, Hoffnung und Leid.
Der Buchstabe einst, der ihn schmerzlich traf,
wurde Arbeit und Alltag in schweigendem Schlaf.
Der Ball auf den Plätzen, einst Ruhm und Talent,
blieb später nur Freizeit, die kaum einer kennt.
Kein Rasen der Liga, nur Asche im Wind —
ein Leben am Rand, das im Schweigen verrinnt.
Die Tür blieb verschlossen, der Schlüssel verwehrt,
doch leise blieb aufrecht, was tief in ihm nährt.
Im Takt seiner Schritte, im Druck jeder Zeil’
bewahrte er Würde — unsichtbar und heil.
Das könnte Sie auch interessieren