Die Sitzenbleiber-Gesellschaft

Ein Gedicht von Caeli
Da tönt es aus dem Grammophon
Dahein bei Wolfgangs großem Sohn
Arsch-Huh und bies die Zäng zosamme
Jätz wed dat Thema anjejange

Sprachlich dezenter, aufgeschrieben
Hingebogen von oben hintertrieben
Hochdeutsch und fast geradheraus
Der letzt Mensch, der trägt das Haus
Hingekotzt und abgewimmelt
Rausgerotzt und angeschimmelt
Drückt der letzten Einer im System
Den Stempel drauf, schon im vergehn

Intellektuell weit an der Spitze
In Sphären, hey, mach keine Witze
Trägt sich das Oberhaus in Kreisen
Befreundet mit den Wirtschaftsweisen
Oben an unsren Oberhäupten
Engelchen und Glockenläuten
Reisen, in weit entfernte Länder
Gedankenlos, der Rock übern Ständer

Die Suite sie ist wieder ganz perfekt
Den Völkischen hier die Wanze neckt
Der Pool, der Strand
Die Bar, der Sand, die Meeresbrise
Der Pedant als Pendant, er ist ein Riese

Macht braucht der Mensch zum Üben
Sonst fischt er bald im fiesen, trüben
Die Dienerschaft schon in Position
Die Platte dreht gleich Wolfis Sohn

Worauf es ankommt, ist die Liebe
Und die gehört zur Zeit dem Diebe
Ja, der stiehlt und klaut und rafft
Aus vollem Herz, mit Leidenschaft!

Er klaut Zeichen, Zahlen, Nüchternheit
Dem Ärger die richtige Notwendigkeit
Er stiehlt dem Mund das Sagen
Dem Geschlagenen das Klagen
Prellt die Gerechten um die Gegnerschaft
Die Gegner um hochverehrte Wissenschaft
Fälscht wissenschaftliche Fakten
Legt die Wahrheit zu den Akten

Er träumt und pflegt was fantasiert
Was den unbescholtnen Bürger ziert
Den lieben Gott hat er unten überwunden
Ihn gehängt und am Kreuze hochgebunden

Den Frieden hat er lauthals angerufen
Empfohlen als Verrücktheit einzustufen
Was ihm fremd war hat er missachtet
Ins Reich des Bösen hinein verfrachtet

Er fragt sich nicht, er weiß und sieht
Gesellschaft ist das, was er innig liebt
Er stiehlt uns Zeit und Raum und Angst
Er nimmt dir das, worum du bangst

Er verlangt von dir nur die Einigkeit
Das Liebe alleine wird zur Peinlichkeit
Verschmilzt Wissen, Hoffnung, Glaube
Allmacht, Reichtum, zum Kindesauge

Doch wenn er das Kindesauge sieht
Sinnt er auf ein seltsam leiernd Lied
Das alles genauso bliebe wie es war
Stiehlt die Zukunft, was gleich klar

Um den Gedanken abzurunden
Der hier zu Anfang vorgefunden
Wer oben auf dem Turm alleine
Weiß doch unter sich die Steine

Steinreicher Versuchung erlegen
Wenn sich in Sachen Liebesleben
Bloß Namen und Namensleitern
Als seelenlose Energie erweitern

Knüpft nicht das Oben Netz und Knoten
Sondern das Unten will ausloten
Pfade und Wege vorbereiten
Wie Ei und Same sind zu leiten ...




* Ganz ehrlich, zum verstehen muss man ein paar Mal sitzen geblieben sein. Sonst würde man ...

© Auris cAeli

Informationen zum Gedicht: Die Sitzenbleiber-Gesellschaft

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21.07.2026
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