Dichtkunst eines Zahnarztes (Fiktion)

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
-Geglückt oder missglückt? -

-1-
Der Poet füllt Zeilen mit Füllwörtern
wie Löcher im Zahn mit Amalgam
packt Reimprobleme bei der Wurzel,
richtet, was arg schief geraten ist,
auch den Rhythmus mit Klappereffekt,
wie aufeinander klappende Zähne.
-2-
Die psychologische Tiefenbohrung
praktiziert der Dichter mit Inbrunst
und setzt dem Ganzen die Krone auf,
indem er allen Romantikern
in puncto Liebe manchen Zahn zieht,
sie folglich ganz schön alt aussehen lässt.
-3-
Der Poet stellt gern bohrende Fragen,
geht damit den Dingen auf den Grund,
befreit sie von Überflüssigem,
wie kranke Zähne von Karies,
dringt mitunter vor bis zur Wurzel,
weil dort oft das Übel begraben ist.
-4-
Seine Leser knirschen mit den Zähnen,
beißen sich durch schwierige Texte,
halten ihm trotz allem die Treue,
weil er sie zu Erkenntnissen führt,
die ihnen oft dazu verhelfen,
sich im Leben kräftig durchzubeißen.

Informationen zum Gedicht: Dichtkunst eines Zahnarztes (Fiktion)

04.11.2026
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Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.