Des Anthropomatikers Himmelreich
Ein Gedicht von
jogdragoon
Noch ganz mitgenommen stand ich vor dem Krankenzimmer. Ich hatte eine Einweisung für meinen neuen Job bekommen.
Ich bin Psychiater und damit habe ich nun absolut nicht gerechnet. Nun war es zu spät. Ich musste meine Aufgabe erfüllen.
Das was ich jetzt wusste, wird mein weiteres Leben immens beeinflussen.
Gestern noch habe ich mit Michi gefeiert. Das Honorar war wirklich verführerisch hoch.
Michi durfte ich nichts konkretes sagen.
Ich erinnerte mich an gestern Abend.
Michi sagte: "Wer weiss, an was für einem Projekt Du mitarbeiten sollst ?
.. Vielleicht hat das ja was mit Transhumanismus zu tun ?" spekulierte er. Er wusste nicht, wie nahe er der Wahrheit damit kam.
Ansonsten mochte ich ihn besonders für seine kurzen Witze.
Wie war das noch: " Was ist ein Hammerhai ?" fragte er mich grinsend. Ich antwortete: "Ein Fisch!". "Nein !”, sagte er.
"Ein Nageltier !".
Wir hatten beide schon ein paar Bier intus und lachten beide laut los.
Ja, so war, er, mein Freund "Ein Hammerhai ist ein Nageltier und ein Zitteraal ein Hypochonder !".
Was für ein Spassvogel !
Ich hatte eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben und wenn ich über diesen Job sprechen würde, dann würde mich das alles Kosten, was ich mir aufgebaut habe.
Nach der heutigen Erfahrung vielleicht auch mein Leben selbst.
Was sagte Michi gestern noch ? .. Wer weiss, wo die ganzen Milliarden Euro hin fließen, die die Politiker veruntreut hatten.
Auch wenn Michi mein bester Freund war, so distanzierte ich mich doch von seinen Ansichten.
.. Er behauptete, dass sie damit wohl Bunker bauen würden, für den bevorstehenden Polsprung und der verbrannten Erde, die das hinterlassen würde.
Natürlich nur für wichtige Leute und die ganzen chaotischen Dramen und die Spaltung der Gesellschaft, wären nur Ablenkungen.
Seit heute weiss ich zumindest zuverlässig, wozu einige Millionen, wenn nicht sogar viel mehr, verwendet wurden.
Ich schaute auf einen Monitor und wandte mich dann dem metallischen Körper auf dem Krankenhausbett zu.
Auf diesem lag ein moderner Roboter.
Ein wohlgeformter männlicher Roboterkörper in Silber mit kupferfarbenen Akzenten fing an, sich menschlich zu regen.
Seine Augen öffneten sich langsam.
Ich beugte mich über ihn und fragte: „Wie geht es Ihnen ?“
„Wo bin ich ?“ fragte der Roboter.
„Sie sind im Krankenhaus und ich bitte Sie, sich noch etwas auszuruhen !“ antwortete ich.
„Ich fühle mich noch etwas benommen.“ sagte der Roboter und schlug die Augen wieder zu.
„Was ist passiert ?“ fragte er und befühlte mit seinem rechten Arm seine linke Schulter.
Ich sagte: „Sie hatten einen kleinen Unfall. Sie sind zuhause ausgerutscht und haben sich den Kopf gestossen.
Ohnmächtig sind sie zusammen gebrochen. Doch jetzt sieht schon wieder alles ganz gut aus !“
Der Roboter schien zu überlegen:
„Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Dafür erinnere ich mich an einen schweren, schmerzhaften Autounfall, bei dem das Auto sich mehrmals überschlug
und an ein Feuer, das mich umhüllte und mich verbrannte.“
„Das kann schon mal passieren, wenn man sich den Kopf stößt.
Sie hatten eine seltene Glandula pinealis Dimethylterephthalat Ausschüttung, bei der ihnen eine Traumsituation wie ein echtes Erlebnis vorkommt.
Das haben wir schon öfter erlebt“ antwortete ich und gab jemandem ein Zeichen an der Tür.
Der Roboter schien wieder einzuschlafen, denn seine Bewegungen wurden langsamer und er nahm eine Schlafhaltung ein.
Ich verliess das Krankenzimmer und ging auf den nervös auf und ab laufenden Mann zu. Dieser fragte "Wie steht's um ihn ?"
Ich sprach: "Soviel ich das beurteilen kann, geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er scheint seinen Körper nicht zu spüren.
Jedenfalls hat er mehrfach über seine linke Schulter und den Arm gestrichen.
Zu einem irreversiblen Trauma kann ich noch nichts sagen."
Der Mann schien erleichtert zu sein.
Er sagte: “Das Taubheitsgefühl seines Körpers hängt mit den DNL zusammen, die noch nicht fixiert worden sind.
Das muss so sein und wird in den nächsten Tagen verschwinden. Gut gemacht Doc !”
Er drehte sich um und ging schnellen Schrittes durch den Gang zum Sicherheitsdienst, der ihn dann hinaus ließ.
Ich dachte: "Auf was habe ich mich hier nur eingelassen ?
Was hat mich dazu veranlasst, diesen Job anzunehmen ?
War es das Geld ? .. Nein .. Es war einfach .. Neugier !"
Ich ging in das kleine Bistro, goss mir einen starken Kaffee ein und setzte mich an den kleinen Tisch.
Ich nahm einen kräftigen Schluck Kaffee und erinnerte mich an vorhin, als ich eingewiesen wurde.
Ich war entsetzt und fasziniert zugleich. "Wohin wird uns das führen ?" fragte ich mich und las die Krankenakte.
Der Patient war Anthropomatiker und Psychologe. Er war Leiter des Projektes RBC und hatte einen schweren Autounfall.
Sein Körper war dabei unrettbar verbrannt. Dank seines Status im Projekt wurde er Tag und Nacht beobachtet und sein Unfall führte zu sofortigen Massnahmen.
Er war der Grund, warum sie mich so kurzfristig eingestellt hatten. Denn bisher hatte er die Patienten betreut.
Es war naheliegend, dass er ein tiefes Trauma in sich trug. Das zu beseitigen war meine Aufgabe.
Ich ging wieder in das Krankenzimmer und gab das verabredete Zeichen, um ihn aufzuwecken.
Ich schaute dem kalten Roboterkörper lächelnd in die Augen und sagte:
“Können Sie mich gut sehen ?”
Der Roboter antwortete: “Ja, so scharf, wie noch nie zuvor, selbst ohne Brille”.
Ich wich etwas zurück und fragte ihn “Können Sie sich vorstellen, warum das so sein könnte ?”
Der Roboter stutzte, hob seine Arme und besah sich den Raum. An seiner Mimik war nicht zu erkennen, was er dachte.
“Ich habe eine Vermutung. Das Krankenzimmer kommt mir sehr bekannt vor.” antwortete er.
Ich beugte mich wieder zu ihm, nahm seine Hand in die meine und sprach: “Ja, in der Tat war Ihr Unfall doch nicht so harmlos, wie ich es zuvor sagte.”
Er schaute zum Fenster und sagte: “Ich verstehe ! .. geben Sie mir bitte einige Zeit alleine, damit ich mich orientieren kann”.
Ich gab ihm eine halbe Stunde und dann unterhielten wir uns ausgiebig.
Es war schon erstaunlich, wie schnell er sein Trauma verarbeitet hatte.
Da er selbst Psychiater war, wusste er, was die Konsequenzen waren und er fing an, mit mir seine neuen Fähigkeiten zu erforschen.
Nach ein paar Tagen sagte er mir, dass sich für ihn so nach und nach alles sehr real anfühlen würde und dass er noch nie eine solche Klarheit im Geiste erlebt habe.
Ich war mir bewusst, dass nur ein Roboter vor mir stand, der sehr schnell ausgetauscht werden konnte.
Er hatte keine perfekte Mimik, doch das würde sich ändern.
Sein Geist war ganz woanders.
Er sagte, dass für ihn ein Traum in Erfüllung gegangen ist, auch wenn es hier und da noch Probleme zu bewältigen gab.
Ich dachte mir, dass er sich so nach und nach zu einem anderen Menschentyp verändert hatte, der übermäßig von einer KI beeinflusst wird.
Für mich war das ein Weg, den ich niemals beschreiten würde. Dafür habe ich nicht genug Angst vor dem Tod !
HINWEIS: Im Kommentarbereich ergänze ich später: Geheimprojekt “RBC” - Die Einweisung
*
Sie machen um die Schöpfung einen Bogen,
von kühler Wissenschaft zu Denkern erzogen.
Virtuelle Welten werden gemeistert
und in das Reich des Seins gezogen.
Technik fasziniert, begeistert !
Wenn Ablenkung den Verstand verführt,
ein Trugbild das kranke Herz berührt!
Führt Fortschritt in den Garten Eden,
überwindet Tod, Gewalt, gibt Frieden ?
Im TV flimmern flache Visionen,
die nach Neuem Süchtige belohnen.
Auf Knopfdruck Wunscherfüllung ist ihr Traum,
doch erfüllt sich der oft kaum.
Perfekte Technik er-scheint als Königsweg.
Gekaufte Boten präsentieren Beweise als Beleg,
für eine Zukunft zum Wohle von allen ..
(die nur den Mächtigen gefallen) !
Doch ein Blick aus dem Fenster beweist,
Medien lügen gewissenlos und dreist.
Der Süchtige frisst, bis er verdummt,
sein Sprechen zum Papagei verkommt.
© jogdragoon
Bibat ex me qui potest
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