Der Schein trügt

Ein Gedicht von Horst Rehmann
Wenn ich mich hier beschreiben müsste,
dann wüsst´ ich auch, wie ich mich brüste,
denn ich benehme mich stets ganz normal,
kann mich sehen lassen, überall.

Zu meiner Figur könnt´ ich sagen,
es gibt an ihr gar nichts zu klagen,.
auch meine Haut ist richtig famos,
ich sag´s mit einem Wort - makellos.

Und hinzu kommt noch, wie wunderbar,
ich kämm´ immer noch mein volles Haar,
nicht ein Graues kann ich entdecken,
seh´ nicht einmal Geheimratsecken.

Ja, ja, so würd´ ich mich gern sehen,
und täglich lang vorm Spiegel stehen,
doch die Wirklichkeit sieht anders aus,
lasse ich die Schwindelei hier raus.

Es bleibt, bei rechtem Licht betrachtet,
so vieles einfach unbeachtet,
täglich denkt man nur, die Welt ist heil,
doch die Wahrheit ist, das Gegenteil.

Märchen werden ständig aufgetischt,
bis man sich selbst dabei erwischt,
und merkt, dass der Schein unsagbar trügt,
dass man schlussendlich – sich selbst belügt.

© Horst Rehmann

Informationen zum Gedicht: Der Schein trügt

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14.06.2018
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