Der Riss

Ein Gedicht von Lisa Nicolis
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Ein großer, stiller Riss geht durch die Zeit,
so leise, dass ihn kaum noch jemand hört.
Er zieht sich durch Gespräche und er stört.
Nährt Worte, die man sagt, doch nicht so meint.

Wir hören nicht mehr zu. Sind so gewitzt!
Bis selbst wir wieder reinreden ganz laut,
verkommt im Nu, was leise Nähe baut.
Das, während jeder seine Wahrheit schützt.

Das Missverstehn -wie Unkraut auf dem Mist,
genährt von Eile, Stolz und stummer Wut
und schon führ'n falsche Gesten hin zu Blut.
Wir haben längst verlernt, was Frieden ist.

Ein Blick zu viel, ein Satz zur falschen Stund,
und schon Distanz als Lohn. Und kein Humor!
Wir haben Worte, mehr als je zuvor,
doch wenige, die Einsicht täten kund.

Lisa Nicolis

Informationen zum Gedicht: Der Riss

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27.04.2026
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