Der Mann aus Nazareth

Ein Gedicht von Micha Schneider
Selbst jener Mann aus Nazareth
benötigte zum Schlaf ein Bett.
Mußt' nachts er 'was verrichten,
so schlich er unter Fichten.

Schob kurz sein Nachthemd auf die Seite,
was neugierige Damen freute.
Doch ging der Mann aus Nazareth
danach allein zurück ins Bett.

Die Damenwelt war sehr bekümmert,
weil ein Bett stets auch gezimmert
für der Liebe Lust und Sünde –
doch nicht für’s Nazarenerkinde.

Und ganz egal, wie sehr kokett,
wie wunderschön und auch adrett
ihn alle diese Damen lockten –
der Nazarener gab den Verbockten.

Man lernt jedoch aus der Geschichte,
daß oftmals selbst die schrägsten Wichte
die schönsten Frauen just heimtragen,
wenn sie ihnen zum Schein entsagen.

Schlief dann der Mann aus Nazareth
nur deshalb ganz allein im Bett,
weil er mit diesem klugen Trick
ganz ohne Mühe kam zum .....?

Nun, wir werden es nie wissen,
was er einst trieb in seinen Kissen.
Der Nazarener war auch nur Mann,
der meistens will, wenn er nur kann.

Und das Zerwühlen seiner Kissen
zu zweit hätt’ er nur wollen müssen.
Vielleicht nicht nur zum Schlaf ins Bett
ging unser Mann aus Nazareth!

© Micha Schneider

Informationen zum Gedicht: Der Mann aus Nazareth

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30.04.2017
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Micha Schneider) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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