Der falsche Abend
Ein Gedicht von
Max Vödisch
Sie trat herein mit leichtem Schritt,
ein Lächeln nahm den Raum schon mit.
Ein Blick genügte, still und klar,
als ob der Abend freundlich war.
Wir stießen an mit einem Bier,
sie blieb ganz selbstverständlich hier.
Wir lachten viel, die Zeit verging,
weil uns ein tiefes Wort umfing.
Ich dachte leis: Wer weiß, vielleicht
hat dieser Abend mehr erreicht.
Doch manchmal täuscht das erste Licht,
es zeigt den ganzen Weg noch nicht.
Sie fragte schließlich nach dem Sinn,
wer ich wohl ohne Maske bin.
Ich sprach von Freiheit, wenig Geld,
von einem Platz in dieser Welt.
Sie schwieg für einen Augenblick,
dann sah sie kühl auf uns zurück:
„Ich wünsche mir ein sichres Leben,
und ein von Glanz erfülltes Streben.“
Da wusste ich, wohin sie sieht,
und dass uns keine Nähe blüht.
Wir lächelten uns beide an,
doch keiner hielt den andern dann.
Ich zahlte still mein letztes Bier,
die Nacht blieb freundlich, nur mit mir.
Nicht jeder Traum wird Wirklichkeit,
wenn uns das Leben still entzweit.
So ging ich heim durch kalten Wind,
wo Hoffnungen vergänglich sind.
Ich dachte nur beim letzten Schein:
Es sollte wohl nicht unser sein.
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