Der Antichrist
Ein Gedicht von
Marcel Strömer
Er kommt nicht mit dem Schwert der Macht,
nicht mit dem Sturm, der Welten bricht.
Er kommt in einer stillen Nacht
und spricht von Hoffnung und von Licht.
Er gibt dem Menschen, was er sucht,
er nimmt ihm Zweifel, nimmt ihm Last.
Er wird gefeiert, wird gewählt,
weil jeder glaubt, was er erzählt.
Er spricht von Freiheit, spricht von Frieden,
von einer Welt, in der nichts fehlt.
Doch was die Menschen tief vermieden,
wird von ihm neu zum Ziel erwählt.
Er macht den Wunsch zum höchsten Wert,
das eigene Ich zum Maß der Zeit.
Was einst den Menschen stark gemacht,
verliert sich in Bequemlichkeit.
Er trägt die Form der Erlösung,
doch ohne Wahrheit, ohne Herz.
Er kennt des Menschen dunkle Seiten
und nutzt sie kalt für seinen Zweck.
Sein Reich wächst nicht durch Schwert und Feuer,
nicht durch des Krieges kalte Hand.
Es wächst, wenn Menschen selbst vergessen,
was einst ihr Herz im Guten fand.
Dann zeigt sich, was sein Weg gebracht,
wenn seine Herrschaft alles bricht.
Wo einst noch Hoffnung in uns lebte,
erlischt das letzte Menschenlicht.
Es folgen Leid, Tod und Schrecken,
wo seine Macht die Welt durchdringt.
Die Menschheit sieht zu spät den Abgrund,
in den sie selbst gegangen ist.
© Marcel Strömer
[Magdeburg, 04.08.2026]
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