Der alte Meyer

Ein Gedicht von Gudrun Nagel-Wiemer
Drüben wohl der alte Meyer,
dem bringe ich ein paar Ostereier.
Die Kinder halten sich von ihm fern,
sie mögen den Alten nicht so gern.

Geht er morgens um sein Haus,
schaut er meistens grimmig aus.
Sein Leben war durchaus bewegt,
er hat einen Weltkrieg miterlebt.

Der alte Mann ist nicht verkehrt,
auch seine Frau war liebenswert.
Herr Meyer ist so wahr nicht dumm,
- er meckert nur zu viel herum.

Er hat an allem etwas auszusetzen,
niemand möchte mit ihm schwätzen.
Damit ihm draußen nichts entgeht,
benutzt er oft sein Hörgerät.

Egal, ich gehe mal zu ihm rüber,
denn die paar Eier hab´ ich über.
Ich werde diesem alten Drachen,
einfach mal eine Freude machen.

Herr Meyer freut sich ungemein
und bitte mich spontan herein.
Er begrüßt mich mit dem Satz:
"Bitte nehmen Sie doch Platz."

Er greift zu einer Flasche Wein
und schenkt mir gleich ein Gläschen ein.
Ich gebe ihm die Nougat-Eier
und sehe Tränen bei Herrn Meyer.

Ich reiche ihm ein Taschentuch.
"Ich hatte ewig keinen Besuch!"
Wir unterhalten uns im Dämmerlicht...
Er hat ein Lächeln im Gesicht.

Informationen zum Gedicht: Der alte Meyer

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04.03.2026
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