Dem Alter ein Schnippchen schlagen (wollen)

Ein Gedicht von Ingrid Baumgart-Fütterer
-Fiktion -

Ist-Zustand

Scheitel wird zunehmend breiter,
Geheimratsecken auch,
graues Haar wird strähnig, dünner.
Stirn legt sich in Falten,
Krähenfüße vertiefen sich,
die Wangen sacken ab.
Hals wird kürzer, dicker, faltig,
der Witwenbuckel wächst,
Wirbelsäule, Rücken sind krumm.
Proportionen verschieben sich,
man schrumpft in der Länge,
wächst dafür mehr in die Breite.
Ausladende Hüften,
Beine wie Kartoffelstampfer
hintere Partie rutscht.
Auch die Brüste rutschen tiefer,
ein bis zwei Etagen,
fallen auf vorgewölbten Bauch.
Füße werden breiter,
senken, spreizen sich, werden lang,
schwellen tagsüber an.

Wunschzustand

Mit dem Aussehen hadert man,
bemängelt, kritisiert,
was man im Ganzkörperspiegel
so zu sehen bekommt.
Aussehen muss überholt werden,
Haare werden gefärbt,
Haartransplantation wird anvisiert.
Auch ein Hals-Facelifting,
ein Aufspritzen von Wangen, Lippen,
Fettabsaugung am Kinn.
„Liposuktion“ ist auch angebracht
an Hüften, Bauch, Schenkeln,
kombiniert mit der Straffung des Bauchs.

Reparaturarbeit
am Leib scheint kein Ende zu nehmen,
Ausgaben häufen sich,
Sprengen das Budget über Gebühr.

Wenn es so weitergeht,
dann gibt es bald nichts mehr „zu beißen“,
kein Geld für Zahnersatz!

Informationen zum Gedicht: Dem Alter ein Schnippchen schlagen (wollen)

29.10.2026
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Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Ingrid Baumgart-Fütterer) für private und kommerzielle Zwecke frei verwendet werden.