Das treue Geleit

Ein Gedicht von Marcel Strömer
Der Tod, er lacht schon lange schwer,
er singt mir falsche Lieder,
und wär ich nicht ein Menschlein mehr,
kniet er nicht zu mir nieder.

Wie zieht er fest an meinem Haar
und zerrt an meinen Flügeln,
ich wehre mich schon Jahr für Jahr
und gegen alle Lügen.

Er singt mir falsch von Tag zu Tag,
die Töne schief und schiefer,
selbst wenn ich widersprechen mag,
es zieht mich tief und tiefer.

Er greift behend nach meiner Hand,
so alt und schwach sie lieget,
und stärkt mich selbst am Übergang
siehst du wie er mich wieget.

Mein Herz, das nimmt er sanft heraus,
in Brust und Schmerz gefangen,
und sucht mir nun ein neues Haus –
denn bald bin ich vergangen.

So lieg ich schwach in seinem Arm,
Oh schöne Welt, muss gehen,
noch spür ich meinen Atem warm,
wer kann denn das verstehen?

Und wenn bald Herz und Atem stehn,
die Schatten mich umhüllen,
so werden wir uns wiedersehn
und unseren Sinn erfüllen.


© Marcel Strömer
[Magdeburg, 24.02.2026]

Informationen zum Gedicht: Das treue Geleit

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24.02.2026
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